
Ein Klettersteig ist ein künstlich gesicherter „Kletterweg“ am Fels. Er bildet die Brücke zwischen anspruchsvollem Bergwandern und freiem Klettern.
Ein fest installiertes Stahlseil verläuft dabei – meist durchgehend – entlang der gesamten Route. Zusätzlich helfen Eisenleitern, Stifte, Klammern oder Trittbügel, schwierige und steile Abschnitte zu überwinden.
Klettersteige sind ideal für trittsichere und schwindelfreie Bergbegeisterte, die das Erlebnis im steileren Fels suchen, aber noch keine Erfahrung im Freiklettern oder im Umgang mit Seil und Knoten haben.
Der Begriff „Via Ferrata“ stammt aus dem Italienischen und bedeutet wörtlich übersetzt „Eisenweg“.
Der Ursprung:
Die Geschichte der Via Ferratas ist eng mit dem Ersten Weltkrieg in den Dolomiten verknüpft. Um Soldaten und schweres Material sicher an die Frontlinien im Hochgebirge zu bringen, wurden steile Felswände mit Eisenleitern und fixen Drahtseilen versichert. Diese historischen Militärwege bildeten die Basis für den heutigen Bergsport.
Das Synonym:
Via Ferrata beschreibt exakt dasselbe wie der deutsche Begriff „Klettersteig“. Da der Sport jedoch in den italienischen Alpen seinen historischen Schwerpunkt hat und der Begriff international, etwa im Englischen und Französischen, genutzt wird, werden beide Wörter im Sprachgebrauch als Entsprechungen verwendet.
Ein Klettersteig beginnt dort, wo eine durchgehende Stahlseilsicherung vorhanden ist, die speziell für die Verwendung eines Klettersteigsets ausgelegt ist. Der Klettersteig hat meist einen klar definierten Ein- und Ausstieg. Ohne die künstlichen Hilfsmittel wie Leitern, Klammern oder Stifte wäre das Gelände für Wanderer:innen meist unpassierbar.
Ein alpiner Steig ist dagegen oft kaum oder gar nicht versichert. Er verläuft häufig durch teils wegloses und sehr steiles Gelände und wird auf der SAC-Wanderskala oft mit Schwierigkeitsgrad T5 oder T6 angegeben. Es können leichte Kletterstellen ohne durchgehende Eisenhilfen vorkommen, weshalb Orientierungssinn und alpine Erfahrung zwingend erforderlich sind.
Ein gesicherter Steig, also ein Wanderweg mit Drahtseil, ist im Grunde ein normaler Bergwanderweg, der an einzelnen, besonders exponierten oder rutschigen Stellen mit einem Drahtseil oder einer Kette versehen ist. Das Sicherungsseil dient hier primär als Geländer oder Festhaltemöglichkeit. Eine Klettersteigausrüstung ist in diesem Fall meist überflüssig oder kann sogar unpraktisch sein.
| Merkmal | Gesicherter Steig | Alpiner Steig | Klettersteig |
|---|---|---|---|
| Sicherung | Punktuell (Handlauf) | Meist keine | Durchgehendes Stahlseil |
| Gelände | Bergweg | Weglos, steiles Gelände | Felswand / Grat |
| Ausrüstung | Wanderschuhe | Bergschuhe | Klettersteigset, Helm, Gurt |
| Felskontakt | Kaum nötig | Häufig (kraxeln) | Permanent |
In Europa haben sich verschiedene Skalen etabliert, um die technische Schwierigkeit eines Klettersteigs zu bewerten. Da es kein weltweit einheitliches System gibt, hängen die Angaben oft vom Land oder dem:der jeweiligen Autor:in ab.
Ein Überblick über die wichtigsten Bewertungssysteme:
1. Schall-Skala (A bis F)
| Grad | Bezeichnung | Gelände / Anforderung |
|---|---|---|
| A | Leicht | Flaches bis steiles Gelände; viel Gehgelände; Sicherungen dienen oft nur als Handlauf |
| B | Mäßig schwierig | Steileres Felsgelände, einige ausgesetzte Passagen; erste senkrechte Leitern oder Klammern |
| C | Schwierig | Steiles bis sehr steiles Gelände; erfordert Kraft in Armen und Beinen sowie gute Trittsicherheit |
| D | Sehr schwierig | Senkrechte, teils überhängende Passagen; Klammern können weit auseinander liegen; hoher Krafteinsatz |
| E | Extrem schwierig | Oft bis meist überhängend, häufig nur Stahlseil ohne Tritthilfen; nur für Profis |
| F | Überaus schwierig | Extremst-Varianten; meist kurze Sportklettersteige mit sehr hohen Kraftanforderungen |
2. Die Hülsler-Skala (K1 bis K6)
| Grad | Beschreibung |
|---|---|
| K1 (leicht) | Entspricht etwa Schall A |
| K2 (mittel) | Entspricht etwa Schall B |
| K3 (ziemlich schwierig) | Entspricht etwa Schall B/C bis C |
| K4 (schwierig) | Entspricht etwa Schall C/D bis D |
| K5 (sehr schwierig) | Entspricht etwa Schall D/E bis F |
| K6 (extrem schwierig) | Entspricht etwa Schall E bis F |
3. Internationale Skalen
In Frankreich und Italien werden häufig klassische Bergsteigerbewertungen verwendet:
| Grad | Bezeichnung |
|---|---|
| F | Facile / leicht |
| PD | Peu difficile / wenig schwierig |
| AD | Assez difficile / ziemlich schwierig |
| D | Difficile / schwierig |
| TD | Très difficile / sehr schwierig |
| ED | Extrêmement difficile / extrem schwierig |
4. Dolomiten
In den Dolomiten findet man häufig eine kombinierte Bewertung aus einer Zahl
(1–5 für die technische Schwierigkeit) und einem Buchstaben (A–C für die
Ernsthaftigkeit bzw. alpine Gefahr).
Planungstipp:
Die Skala bewertet immer nur die schwierigste Einzelstelle.
Ein kurzer Klettersteig im Grad D kann daher weniger anstrengend sein als ein sehr langer Steig, der durchgehend mit C bewertet ist.
Achte in sogenannten Topos (Routenplanskizzen) darauf, wie lange und wie viele schwierige Passagen vorkommen. Berücksichtige bei deiner Tourenplanung immer die gesamte Unternehmung: Zustieg, Abstieg, Länge, Schwierigkeitsgrad, Exposition sowie aktuelle Wetter- und Geländeverhältnisse.
A/B: Einsteiger:innen – Wandern mit Händen
Wie eine steile Leiter im Garten oder eine sehr steile Treppe. Du stehst meist sicher auf breiten Eisenklammern oder Felsabsätzen. Deine Arme halten vor allem das Gleichgewicht, das Hauptgewicht lastet auf den Beinen.
Geeignet für: Anfänger:innen und Familien
C: Der „echte“ Klettersteig – anstrengend
Du musst dich an senkrechten Stellen aktiv am Stahlseil oder an Eisenstiften hochziehen.
Die Tritte werden kleiner, du hängst öfter einmal deutlich exponiert im Fels.
Bei Ungeübten tritt hier häufig bereits ein Zittern in Armen und Beinen
(„Nähmaschine“) auf.
Geeignet für: Fitte Einsteiger:innen mit sportlichem Background oder
Fortgeschrittene
D: Der „kräftige“ Klettersteig – sehr sportlich
„Wie Klimmzüge an einer senkrechten Wand“. Oft gibt es nur das Stahlseil und wenige Eisenstifte oder -klammern für die Füße. Du musst häufig auf Reibung am Fels stehen und brauchst deutlich Kraft in den Armen.
Rastmöglichkeiten sind selten, die Belastung ist dauerhaft hoch.
Geeignet für: Erfahrene Bergsteiger:innen; absolute Schwindelfreiheit
ist Pflicht, oft hat man hier sehr viel Luft unter den Sohlen.
E: Der „extreme“ Klettersteig – „Leistungssport“
„Wie Turnen am Reck in großer Höhe“. Es erwarten dich oft überhängende Passagen.
Wenn du hier loslässt, fällst du sofort ins Klettersteigset.
Das Umhängen der Karabiner in überhängenden Passagen erfordert hohe Maximalkraft und perfekte Technik.
Geeignet für: Profis und sehr erfahrene Kletterer:innen. Anfänger:innen geraten hier häufig in gefährliche Blockaden, weil die Kraft plötzlich nachlässt und ein Rückzug kaum möglich ist.
Für Anfänger:innen sind Klettersteige im Bereich A bis B ideal.
Diese bieten ein sicheres Erlebnis, ohne zu überfordern, und sind oft so angelegt, dass man sich langsam an die Höhe gewöhnen kann.
Es gibt Familienklettersteige, die gezielt so angelegt sind, dass sie auch für Kinder und Einsteiger:innen ein motivierendes Erlebnis bieten.
Was macht diese Steige aus?
Sicherheit – mit Kindern am Klettersteig
Der richtige Klettersteig ist weder unterfordernd (Langeweile) noch gefährlich überfordernd (Panik oder Kraftverlust).
1. Schätze deine Fitness und Erfahrung ehrlich ein
Richte dich stets nach deiner aktuellen Tagesform und nicht nach dem „Best-Case-Szenario“.
Das Topo (Routenskizze)
Das Topo ist eine wichtige Quelle für deine Planung. Achte besonders auf:
Check it out
Sicherheitsausrüstung – unverzichtbar
Ergänzende Ausrüstung
Ein Klettersteigset ist weit mehr als eine Leine, die dich mit dem Fels verbindet. Es ist ein hochspezialisiertes Sicherheitssystem, das darauf ausgelegt ist, eine physikalische Besonderheit im Falle eines Sturzes beim Klettersteiggehen zu bewältigen: den extrem hohen Sturzfaktor.
1. Die Komponenten und ihre Funktion
2. Warum ist es lebensrettend?
Im Gegensatz zum klassischen Klettern, bei dem ein langes, dynamisches Seil den Sturz sanft abfedert, stürzt man am Klettersteig an einem starren Stahlseil.
Ohne Bandfalldämpfer würde Folgendes passieren: Wenn du drei Meter tief fällst und nach nur wenigen Zentimetern von einer starren Schlinge gestoppt wirst, entstehen enorme Kräfte, die auf deinen Körper und das Material wirken.
Das kann zu Materialbruch (Karabiner brechen oder Schlinge bzw. Klettergurt reißen) oder zu tödlichen Verletzungen führen, da innere Organe, Wirbelsäule und Becken diesen massiven Fangstoß nicht aushalten.
Der Bandfalldämpfer wirkt hier wie ein „Airbag“: Wird der Krafteintrag zu groß, fungiert er als Bremse und das vernähte Band reißt kontrolliert auf. Dadurch wird der Bremsweg auf bis zu 2,2 Meter verlängert.
Die Belastung auf den menschlichen Körper und das verwendete Material wird dadurch auf ein erträgliches Maß reduziert.
Man kann Klettersteigausrüstung problemlos ausleihen. In manchen Fällen ist das durchaus eine sinnvolle und sichere Option.
Hauptanlaufstellen für den Verleih
Das Leihen bei professionellen Anbietern gilt aus folgenden Gründen als sehr sicher:
Fazit
Für Einsteiger:innen ist Leihen die beste Option, um den Sport ohne großes Risiko auszuprobieren.
Klettersteiggehen ist eine tolle Mischung aus Wandern und Klettern. Man muss kein:e Profi-Sportler:in sein, aber eine solide Basis ist für die Sicherheit entscheidend.
1. Mentale Voraussetzungen
2. Körperliche Voraussetzungen
3. Der kleine Selbsttest
Warum ist Schwindelfreiheit so wichtig? – Auf einem Klettersteig befindest du dich oft in „ausgesetztem“ Gelände. Das bedeutet, dass es direkt neben deinen Füßen auch einmal mehrere hundert Meter steil bergab gehen kann.
Zusammengefasst: Absolute Schwindelfreiheit ist ab mittelschweren Steigen (Kategorie C) Pflicht. Für den Einstieg (A/B) reicht es oft, wenn du dich in der Höhe grundsätzlich wohlfühlst und keine Panik entwickelst.
Du brauchst keine spezifische Klettererfahrung, um deinen ersten Klettersteig zu gehen.
Allerdings solltest du nicht völlig „blind“ in das Unternehmen starten.
1. Die „Null-Erfahrung-Option“: Der:die staatlich geprüfte Berg- und Skiführer:in
Wenn du dich unsicher fühlst, ist das Buchen eines Schnupperkurses oder einer geführten Tour bei einer Bergschule die beste Investition. Dein Vorteil: Ein:e Bergführer:in zeigt dir den richtigen Umgang mit Material und Ausrüstung, das richtige Umhängen, die richtige Fußtechnik und gibt mentale Sicherheit. Im Notfall kann er:sie dich sogar zusätzlich am
Seil sichern.
2. Was du auf jeden Fall beherrschen solltest
Ein Klettersteigkurs macht absolut Sinn. Obwohl man die Technik theoretisch schnell versteht, gibt einem ein Kurs mehr Sicherheit in Fertigkeiten, die man sich selbst kaum beibringen kann.
1. Sicherheit durch die richtige Technik
Im Rahmen eines Kurses wird weit mehr vermittelt als nur das Einhängen der Karabiner:
2. Mentale Sicherheit
Der erste Schritt in eine senkrechte Wand ist oft Kopfsache.
3. Alpine Gefahren
Klettersteiggehen findet im Gebirge statt. Im Kurs erfährst du mehr über:
Fazit
Wenn du planst, häufiger auf Klettersteigen unterwegs zu sein, dann ist ein Basiskurs die beste Investition in deine Sicherheit. Er nimmt Angst, verhindert Frust, gibt Sicherheit und oft lernst du Gleichgesinnte kennen – vielleicht für eine gemeinsame nächste Tour.