
Wer sagt eigentlich, der Mai sei ein stiller Monat?
Das Gegenteil ist der Fall: Der Mai ist laut. Er ist bunt, präsent und buhlt mit seiner Pracht um unsere Aufmerksamkeit. Überall erwacht das Leben mit einer Kraft, der wir uns kaum entziehen können. Die Farben sind satter, die Luft riecht irgendwie nach Aufbruch. Kurz gesagt: Der Mai macht mobil.
Es ist der Monat, der die Lust aufs Losgehen weckt, aufs Rauskommen, aufs echte Erleben. Aber wer loszieht, will vielleicht nicht einfach nur Kilometer sammeln, sondern Resonanz erleben. Auf Wegen, die mehr sind als nur eine Linie auf der Karte. Auf Strecken, die fordern, die erzählen, woher alles kommt und wie alles miteinander verbunden ist.
Für diesen besonderen Drang nach draußen stehen drei Wege bereit, die genau das bieten: Tiefe, Geschichte und eine ganz eigene Verbindung zum Berg.
Ein Weg, der aus Krieg entstanden ist. Und heute ein Zeichen für Frieden setzt.
Der Sentiero della Pace folgt einer Linie, die bereits lange vor uns da war. Im Ersten Weltkrieg verlief hier oben die Front – zwischen italienischen und österreichisch-deutschen Truppen. Was heute weit und ruhig wirkt, war damals geprägt von Enge, von Festungen, vom Ausharren in Stellungen.
Unterwegs ist die Geschichte der alten Militärpfade und Schützengräben spürbar. 1986 begann Claudio Fabbro, die Orte des ehemaligen Kriegsschauplatzes neu miteinander zu verbinden – nicht als Mahnmal der Trennung, sondern als bewusstes europäisches Zeichen für den Frieden.
Das kleine Dörfchen Arco, nördlich des Gardasees gelegen, dient als idealer Stützpunkt. Von dort führen die Pfade dorthin, wo man damals den Überblick behalten musste: zu weiten Ausblicken über den Garda- und Ledrosee. Ein Weg, der Geschichte nicht erklärt, sondern spürbar macht.
Der Vinschgau zählt zu den trockensten Regionen der Alpen. Dass hier im Frühjahr eine fast unvorstellbare Opulenz entsteht, liegt an den Waalen.
Man muss sich das Ausmaß vergegenwärtigen: Über 20,5 Millionen Apfelbäume verwandeln das Tal im Frühling in ein weiß-rosa Blütenmeer. Damit diese Pracht überhaupt gedeihen kann, ziehen sich seit dem Mittelalter die Waale durch die Hänge – ein künstlich angelegtes, fein abgestimmtes System aus Wasserläufen, das diese Landschaft erst möglich macht. Früher hüteten die „Waaler“ mit der Waalschelle diese Verbindungen. Heute begleiten dich die Waale als leise, stetige Linie entlang der Wege an den Hängen oberhalb des Tales.
Auf dem Vinschgauer Höhenweg ist das Plätschern allgegenwärtig. Und irgendwann wird klar: Das hier ist nicht nur schön. Das ist die Grundlage.
Als der Meraner Höhenweg 1985 eröffnet wurde, war die Idee dahinter ein „Freundschaftsband“. In sechs Tagen umrundet die Route die Texelgruppe – den flächenmäßig größten Naturpark Südtirols.
Hier geht es nicht nur durch Landschaft, sondern durch bewohnte Räume. Auf knapp 100 Kilometern quert der Höhenweg Hangterrassen mit ganzjährig bewohnten Bergbauernhöfen. Es ist eine Reise durch verschiedene Höhenstufen der Südalpen – von hochalpinen Gipfeln über weite Almböden bis hinunter zu den Weinreben und Palmen rund um Meran.
Dieser Weg hält nicht auf Distanz. Er führt hinein. In eine Welt, die mehr ist als schöne Kulisse, nämlich Lebensraum.
<a href="https://www.oase-alpin.de/touren/wanderungen/meraner-hoehenweg.html" style="background-color: white; border: 2px solid #0071b8; border-radius: 50px; Meraner Höhenweg. →
Vielleicht ist es auch genau das, was diese drei Wege gemeinsam haben. Dass sie nicht nur von A nach B führen. Dass sie nicht nur schöne Kulisse bieten. Sondern sie in Beziehung setzen: Mit Geschichte, mit dem, was Leben möglich macht. Und mit den Menschen, die hier ihren Platz haben.
Und irgendwo dazwischen geht es los.
_Wir sehen uns auf dem Weg, der zu dir passt.
Deine OASE alpin_