» Juli 2009, der Europäische Fernwanderweg E5. Eine zusammen gewürfelte Gruppe von 22 Leuten und 2 Bergführern nahm die Tour in Angriff und meisterte den Weg durch sonnenbestrahlte Berge, verschneite Hänge und 100% Luftfeuchtigkeit - mit viel Spass und einigen unerwarteten Überraschungen. «
Treffpunkt war 11:00 am Bahnhof in Oberstdorf. Wir waren überpünktlich und gesellten uns zu der bereits wartenden Gruppe. 30 Minuten später stellten wir fest, dass wir uns am falschen Gleis befanden, mit der falschen Gruppe. Am richtigen Treffpunkt angekommen, war unsere Gruppe natürlich schon auf dem Weg zum Aufstieg. Wir, immer noch 30 Minuten hinten dran, begaben uns mit dem Taxi (was vom Veranstalter gestellt wurde) auf die Spielmannshütte und begannen mit der Aufholjagd. Der Weg war nicht sonderlich schwer und ging gut zu wandern. Als ich den Trockenraum der Kemptner Hütte erreichte, sah ich gerade wie die letzten unserer "anscheinend richtigen" Gruppe - erkennbar an der OASE-Alpin-Baseballkappe, die jeder bekommen hatte - diesen verließen. Die erste Hürde war somit gemeistert. Unsere Alpenüberquerung hatte begonnen.
Morgens um kurz nach 7 Uhr ging es los zur nächsten Hütte. Gut gestärkt durch das Frühstück stampften wir munter durch den Nebel in den Tag - und zählten auf unserem Weg die Salamander die sich vereinzelt oder zu zweit neben der Strecke tummelten. Der aufkommende Nieselregen bot eine perfekte Möglichkeit die Wanderkleidung auf ihre Tauglichkeit zu prüfen.
Mittels kurzem Bustransfer ging's ins Maudatal. Dort sollten die Rucksäcke via Materialseilbahn zur Memminger Hütte transportiert werden. Henning, Tommy und ich suchten die Herausforderung und entschieden uns, unsere Rucksäcke selbst zu tragen. Nach 2 Stunden - oben angekommen - erfuhren wir, dass die Materialseilbahn sowie die Telefonleitung zur Hütte defekt waren. Unsere Rucksäcke selbst zu tragen war eine überraschenderweise gute Idee gewesen. Die restlichen Gruppenmitglieder deren Rucksäcke zurückgeblieben waren, mussten eine Nacht ohne ihr Gepäck auskommen und konnten es am nächsten Tag, nach dem Abstieg, wieder in Empfang nehmen. Gemeinschaftlich, mit viel Witz und Charme, wurde diese Situation souverän gemeistert.
Nach einem reichhaltigen Frühstück starteten wir wieder nach dem Motto "Morgenstund' hat Gold im Mund" in den Tag. Der Aufstieg war steil und führte uns durch eine karge Landschaft. Mein erster Eindruck: "wie Mordor, bei Herr der Ringe". Stück für Stück erklommen wir den steinigen Hang der Seescharte. Beim Abstieg nach Zams setzte wieder Nieselregen ein, der sich jedoch im Verlauf des Abstiegs wieder verzog. Die Vielfältigkeit der Vegetation lies uns die Zeit sehr kurzweilig vorkommen. Angekommen in Zams erwartete uns eine stärkende Mahlzeit und die "Rucksacklosen" erhielten ihr ersehntes Gepäck zurück. Wieder erholt und gestärkt ging es mit der Seilbahn auf den Krahberg. Von dort aus legten wir den letzten Teil der Tagesstrecke zurück. Diesmal allerdings in strömendem Regen. Unglücklicherweise hatte Tommy, einer meiner zwei Freunde, Probleme mit dem Knie und der Abstieg wurde beschwerlich für ihn. Immerhin konnte ich ihn durch einen Rucksacktausch, mein Gepäck war um einiges kleiner und leichter, etwas entlasten.
Der Abstieg nach Wenns fand ohne nennenswerte Ereignisse statt. In Wenns nutzte ich die Wartezeit auf den Bus und trank nach 4 Tagen wieder mal einen Latte Macchiatto. Mit dem Bus ging es dann zum Mittelberg und von dort weiter zu Fuß bis zur Gletschstube, wo wir eine Mittagsrast einlegten. Unglücklicherweise preschte Dietrich (mit gut 70 Jahren unser ältestes, aber durchaus fittestes Gruppenmitglied) wegen eines Missverständnisses vor. Unsere Bergführer klärten die Situation dank sportlichen Einsatzes souverän. Die restliche Gruppe genoss das Mittagessen und nach dem Aufstieg traffen wir Dietrich oben auf der Braunschweiger Hütte. Der Aufstieg war lang und beanspruchte meine Kondition, da ich mir mit Henning und Tommy ein internes Wettrennen lieferte. Kurz vor der Braunschweiger Hütte zog starker Nebel auf, die Temperatur fiel schlagartig und es schneite kleine Schneeflocken. Jedoch blitzte die Sonne fix wieder durch und die Wetterverhältnisse beruhigten sich, sodass man oben angekommen auch noch etwas die Sonne genießen konnte.
Von der Braunschweiger Hütte ging es am Morgen weiter hoch zum Rettenbach. Wieder eine steinige karge Landschaft die zunehmend weißer wurde. Stück für Stück arbeiteten wir uns nach der Reihe hoch. Auf dem ersten und zweiten Plateau erwartete uns ein herrlicher Anblick - die Landschaft war wirklich atemberaubend. Der Abstieg ging über eine schöne steile Schneedecke. Hier machten sich die Teleskopstöcke absolut brauchbar - mit den Tips und Tricks der Bergführer meisterten wir den Abstieg sehr gut. Dies wurde uns noch bewusster, als wir erfuhren, dass man auch einfach auf dem Hintern herunterrutschen konnte. Kaum gesagt schon setzten wir es um... man bekommt durchaus eine beachtliche Geschwindigkeit. Unten angelangt, fuhren wir mit dem Bus nach Tiefenbach, dort begann der Abstieg nach Vent. In Vent selbst übernachteten wir in einem kleinen, feinen Hotel, ausgestattet mit großen weichen Betten und zudem auch mit Sauna- und Wellnessbereich. Wir konnten wunderbar entspannen und durften zudem ein leckeres Abendessen genießen. Genau was wir alle brauchten…
Gestärkt durch das Entspannungsprogramm des Vortages ging es weiter durch das Niedertal zur Similaun-Hütte. Bei einem kurzen Zwischenstopp in der Martin-Busch-Hütte gönnte ich mir einen selbstgemachten Milchkaffee (Eine Tasse Kaffee und einen halben Liter Frischmilch - leider war die Kreativität der Bewirtung noch nicht auf Hochtouren, sodass ich mir das selbst im Bierglas mixte). Der Aufstieg beanspruchte, jedoch brachte er auch viel Spaß. Henning, Tommy und ich veranstalteten wieder ein Wettrennen, dass ich diesmal sogar für mich entschied. Mit der Ankunft auf der Similaun-Hütte erreichten wir ebenfalls den höchsten Punkt unserer Alpentour: 3019 Meter. Dem Mittagessen in der Hütte folgte der Abstieg nach Meran, steil und schotterig. Wieder tauschte ich mit Tommy den Rucksack um ihm einen leichteren Abstieg zu ermöglichen, er hatte noch immer Knieprobleme. Angekommen am Vernagt-Stausee genossen wir eine leckere Zwischenmahlzeit an einem Südtiroler Bauernhof, richtig rustikal und ein krönender Abschluss. Die letzte Übernachtung verbrachten wir in einem Hotel in Meran - wo man sich noch fix im kleinen Swimmingpool abkühlen konnte.
Unser Abreisetag. Nach dem Frühstück begab sich unsere Gruppe in den Reisebus und wir traten die Heimfahrt an. Um 14 Uhr in Oberstdorf angekommen, ging es für meine Freunde und mich weiter mit dem Auto nach Hause.
Berghose mit abnehmbaren Beinteilen
Sehr praktisch, da sich das Wetter schnell zum guten oder schlechten ändern kann. Mann
sollte darauf achten das die Beinteile ebenfalls einen Längs-reisverschluss haben,
sodass man sie an-/ausziehen kann ohne (!) die Schuhe ausziehen zu müssen.
Bilder austauschen
Um gegenseitig die Digitalbilder der Tour auszutauschen, die mitunter mehrer Megabytes
betragen können, haben wir die Webseite: humyo.de
genutzt. Diese biete bis zu 5 Gigabytes gratis Speicherplatz.
Geld
Geld benötigt man auf den Hütten für die Getränke und kleinere Mahlzeiten. Weiterhin kann man in den Ortschaften die man durchläuft fix mal etwas beim Kiosk holen, oder sich einen Kaffee genehmigen wenn man auf den Bus wartet.
Hausschuhe
Diese werden auf den Hütten benötigt, da man im Innenbereich nicht mit den
Wanderschuhe herumläuft (diese bleiben in den Trockenräumen). Leichte Hausschuhe
reichen vollkommen aus. Socken - wie ich zuerst annahm - reichen nicht aus, da es in den Waschräumen oft Nass auf dem Boden ist und diese dann ebenfalls Nass werden.
Mobiltelefon
Das Mobiltelefon ist nur in den Orten die man teilweise durchläuft und bedingt auf
den Hütten einsetzbar. Mit anderen Worten es kann Stress verursachen während der
Wanderung einen Ort zu finden an dem man telefonieren kann/Netz hat. Man sollte nicht darauf angewiesen sein.
OASE Alpincenter
Der Veranstalter mit dem wir unterwegs waren: OASE Alpincenter. Der Wanderweg selbst wird von mehreren Veranstaltern genutzt, sodass man auf den Hütten teilweise Leute aus anderen Touren (wieder-)trifft. Beim Bustransport zum Maudatal (Tag 2), wurde dies interessant. Die Strecke wird nur von einem Taxiunternehmen befahren - mit einer begrenzten Anzahl von Taxen. Die Gruppe die eher ankommt, mahlt auch zuerst.
Ohropacks
Auf den Hütten schläft man in Gemeinschaftsräumen, Ohropacks sind praktisch um nicht von den schnarchenden Kollegen um den Schlaf gebracht zu werden.
Parkplatz in Oberstdorf:
Bezahlen kann man mit Münzgeld oder mit dem Mobiltelefon, per SMS. Falls man Bar bezahlen will, sollte man ausreichend Kleingeld dabei haben, d.h für 7 Tagen - was wir nicht hatten. Daher zogen wir die Option Mobiltelefon, was super funktionierte. Für weiter Infos siehe bitte: Parkplatzübersicht und Langzeitparkplätze.
Regenschirm
Verdammt praktisch, besonders bei dauerhaften Nieselregen. Eine Regenhose ist
umstädlich anzuziehen und man muss dafür anhalten.
Rucksack und Gepäck
Weniger ist definitiv mehr. Ich hatte den kleinsten Rucksack mit einem Gesamtgewicht von ca. 5-6 Kg. Das ermöglichte mir den Rucksack überall mit hinzunehmen, auch wenn es Gepäcktransporte
gab. Der Tipp vom Anbieter, den Rucksack innen mit einem Müllbeutel auszukleiden war
Gold wert. Kann ich jedem nur empfehlen.
Teleskopstöcke
Sind nicht zwingend notwendig. Gut fand ich Sie wenn man schnell aufsteigen will oder beim Bergabstieg in verschneiten Hängen. Unsere Führer hatten wenn überhaupt, einen
einzelnen Wanderstock genutzt. Ich meinerseits, hatte sie 80% der Zeit an meinem Rucksack hängen.
Trinkflasche 1 Liter
Eine Wanderflasche mit 1 Liter Inhalt ist aussreichend. Auf der Strecke befinden sich
genug Auffüllmöglichkeiten. Mindestens bei jeder Hütte.
Trinkflaschenhalter
Einen Gürtelhalter für eine Trinkflasche gab es beim OASE Alpincenter gratis dazu, als Ausrüstungsgeschenk. Ich fands sehr praktisch und hilfreich: Trinkflasche, Kleingeld,
Taschentücher waren immer greifbar und nicht hinten im Rucksack verstaut.
Trockenraum
In jeder Hütten befindet sich ein Trockenraum, wo man seine Wanderkleidung zum trocknen aufhängen kann.
Wegproviant
War für mich nicht notwendig. Durch 3 gute Mahlzeiten, war mein Tagesbedarf gedeckt.