Oase Alpin Bergschule in Oberstdorf                                                                                

Von Oberstdorf in die Silvretta

(27.06.04 - 02.07.2004)

 

                                                                          

 

 

 

Tag 1: Es geht los!

Da treffen sie ein, nach und nach, zu zweit, alleine... einer nach dem anderen.

Anton Fink, der Bergführer, genannt Toni und Sylke seine immer gut gelaunte Freundin und Tourenbegleitung Andrea mit Freundin Tanja, Thomas mit

Freund Heiko, Burkhard mit seiner Frau Gertrud, Hartmud, und wir, mein Bruder Thomas und ich, Petra.

Fast alle  sind schon Touren- bzw. „Bergerfahren“. Für meinen Bruder und mich wird es die erste Tour von Hütte zu Hütte durch die Alpen.

Da habe ich mich so doll drauf gefreut und oft überlegt; Schaff ich das?: „Gute körperliche Verfassung“, „Bergerfahrung von Vorteil“, „Trittsicherheit“, „Ausdauer für Tagesetappen von 6 bis zu 8 Std.“ hieß es...

Wir kommen aus dem bergischen Land. Ich jogge gerne und wir wandern mäßig bis regelmäßig. Aber wird das reichen?

                                                                                                                         

Toni

Sylke

 

Bevor es losgehen kann müssen noch die Rucksäcke gewogen werden. Thomas muß auspacken! Zwei Pfund Müsliriegel wandern in einen Korb, ein anderer läßt einen dicken Pullover zurück…

12 bis 14 kg darf ein Rucksack wiegen, hinzu kommen Steigeisen und Klettergurt, welche von der Bergschule für die Besteigung des Piz -Buin entliehen werden. Dann heißt es Ärmel hoch, Rucksäcke und die blauen Oase-Alpin Kappen auf, ein kurzer Blick zurück, und los.

 

Zuerst geht es ein Stück mit dem Bus nach Bödem ins Kleinwalsertal. 1156 m.

Die Strecke verläuft zuerst flach und wird dann immer steiler durch das Gemsteltal bis hin zum Obergemstelpass. Oben steht dann die erste von uns zu erklimmende Hütte. 2009 m.

Es geht also 3 Std.mit der Sonne bergann. Toni vorneweg. Es ergeben sich erste muntere Plauderein in der Truppe; wir lernen uns kennen. Mit steigender Höhe wird es leiser, die Trinkflaschen werden leerer und die Abstände der Wanderer zueinander größer. 850 m bergan.

 

Wer will, kann oben angekommen, von der Hütte aus, den Widderstein besteigen. 500 m bergan und zurück. Als wir oben ankommen sind, hat es sich zugezogen und es beginnt zu regnen; man sieht nichts mehr. Da können wir leider überhaupt nicht mehr zum Gipfel, wie ärgerlich. So ist entspannen, Essen fasten und Kennenlernen angesagt.

Um 22 Uhr Uhr wird das Lager bezogen; Licht aus, so geht das!                                   

                                                                                                                

 

 

Lecker Essen!

Gute Nacht!

 

 

2.Tag: Tag der Schmerzen und kleinen Blessuren

In der Nacht zog eine Regen- und Gewitterfront durch die Berge. Durch die kleinen Fenster konnte man die Blitze sehen. Oh je.

Am Morgen dampfen die Berge, aber es regnet nicht mehr. Frühstücken, packen und hinunter gehts zum Hochtannbergpaß. Wir plaudern munter, es wird sogar ein Stück mit dem Bus gefahren. Weiter geht es dann durch ein wunderschönes grünes Tal, das Stierlochtal. Wälder, Flüsse, Tannen, alles wirkt lieblich und rundherum die Berge,-einfach schön. Insgesamt sind heute 950 m Höhenanstieg und 1200 m Abstieg zu bewältigen. Die Gehzeit ist mit 7 Std.veranschlagt. Und Gehzeit heißt hier wirklich Gehzeit, nicht pausieren, schlendern, oder in die Berge schauen, sondern wirklich stramm gehen!

                                                                                                                                                                                             

 

Über den Fluß

Spuller See

 

 

Viel Schweiß und die letzten zwei Stunden einsames Kämpfen bei ruhigem gleichmäßigem Gehen. Aus der Mannschaft kommt die obligatorische Frage an Toni: „Wie weit ist es noch?“ Toni: „Glei ham mir’s, a viertel Stund und a zehn Minuten!“

 

                                                                                                       

 

Heiko und...

Thomas sind „Groggi

 

 

Das bedeutet, es dauert noch gut eine Stunde – meistens. Die Kaltenbergerhütte auf 2081 m ist erreicht. Schuhe aus, Füße strecken, große Apfelschorle bestellen; die Welt ist wieder in Ordnung! Fast jedenfalls. Erste Blessuren müssen behandelt werden. Mein Bruder Thomas hat Blasen an den Füßen – sehr große Blasen! Toni hat Spezialpflaster. Bei mir meldet sich der Rücken, die Schultern schmerzen vom Rucksack tragen.

Nach kurzem Sitzen laufen fast alle, als wäre der Hüttenboden mit rohen Eiern ausgelegt.

Zum Entspannen also erstmal duschen. Ja, Duschen sind wohl da, aber das Wasser kommt eiskalt aus dem Hahn. Na Prima, dass geht schmerzhaft schnell. Beim Abendessen und dem anschließenden gemütlichen Ausklang ist alles wieder vergessen.

 

 

3. Tag: Tag der Blumen und Tiere

Hoch hinauf geht es gleich in der Frühe, zur Krachelspitze auf 2686 m. Heute werden es ein paar mehr Schneefelder als zuvor, die es zu überschreiten gilt. Genauso wird es dann wieder hinunter gehen, in lange grüne Täler.

 

 

Der Enzian blüht bis hoch auf den Berg, die Alpenrose zeigt sich oben noch grün, im Tal schon mit ersten zartrosa Blüten. Schön, wenn man die zarten Keimlinge des blauen Eisenhutes sieht, wie sie oben die Schneedecke durchbrechen und zum Licht drängen.

        

        

 

 

Während Wolken an der Sonne vorbeiziehen, zieht er vorbei, der  Steinbock - oben auf dem Bergrücken, langsam und mayestätisch.Wir haben Glück, das wird ein Tag der Tiere. Die Laute der Murmeltiere hörten wir gestern schon, aber heute laufen sie ganz dicht an uns vorbei. Die Jungen spielen und tollen herrum. Die Nager der Berge! Gut das Tanja ihre Digitalkamera immer zur Hand  hat.

                                                                                                                                                                                                                       

 


 

 

 

 

Nach 7 Stunden Gehzeit, erreichen wir die schöne, neu aufgebaute, Konstanzer Hütte. Große Zimmer mit Doppelstock-Betten und warmen Duschen heißen uns willkommen. Welche Wohltat für den Körper.

In denselben Schuhen und Socken ging es ab dem 3. Tag immer am besten. Bloß nicht ändern, was bis jetzt keine Blasen verursacht hat!

Im Keller trocknen daher die Schuhe und Socken vor einem Wärmegebläse.

In solch eine „Dampfküche“ sollte man besser nicht mit einer brennenden Zigarette gehen, dass könnte explosionsartige Folgen haben.

Bei Weizenbier und Obstler, zeigt unsere 11 Mann bzw. Frau starke Truppe viel Fröhlichkeit und Teamgeist.

22 Uhr - Ganz ruhig wird es auf dem Berg. Keine Lichter mehr, keine Autos, keine anderen störenden Geräusche, nur der Wind und manchmal ein paar Regentropfen, die aufs Dach fallen.

 

 

4.Tag: Schnee in den Bergen

Es ist schon Mittwoch. Aufwärts geht es durch das Schönverwalltal. Auf 2320 m steht die Heilbronner-Hütte auf der wir eine Mittagsrast machen. Hier liegt mehr Schnee als für Ende Juni erwartet. Trotz vorsichtigem Gehen in Tonis Spuren bricht man hier ein. Tröstend, dass das nicht nur mir passiert ist. Das Herauswühlen aus solchen Schneelöchern, mit aufgesetztem Rucksack, ist bei Leibe nicht einfach. Irgendwie gräbt man sich immer tiefer ein. Das Übersteigen eines Berges bei Schnee ist halt noch anspruchsvoller als das normale wandern. Abstiege können hier auch schon mal durch eine lange Rutschpartie ersetzt werden. Macht Spaß!

 

 

„Schneestapfen“

Tanja rutscht!

 

 

Gertrud ist vom Einsacken in den Schnee so naß, dass sie die Hosen wechseln muss, und dass nur, um gleich darauf beim Überqueren eines Schmelzwasserbaches der Länge nach auszurutschen. Alles umsonst!

 

Mit dem Bus gings dann ein paar Kilometer bis zum Silvretta-Stausee.

Zum heutigen Etappenziel, der Wiesbadener –Hütte, geht es noch einmal bergauf. Das kostet ein paar Schweißtropfen, denn die Sonne begleitet uns. Mir kommt es vor, als erscheint die Sonne immer pünktlich zu den Anstiegen, um uns einzuheizen.

1000 m bergan und 500 m Abstieg wurden von uns in gut 8 Stunden bewältigt. Bei Weizenbier und Apfelschorle kommt Hans.

Hans ist Kanadier und der zweite erfahrene Bergführer. Er soll uns morgen über den Gletscher zum Piz Buin begleiten, damit wir aus Sicherheitsgründen kleinere Gruppen bilden können.

 

 


Spuller See Wir üben schon mal die Gurte anzulegen und die Steigeisen auf die Schuhe einzustellen. Die beiden Bergführer ziehen dann noch mal los in die Schneefelder, um zu sehen, welche Verhältnisse für den bevorstehenden Tag gegeben sind. Ein wunderschöner Sonnenuntergang läßt einen langen Tag ausklingen.

Gertrud und ich

 

 

 

5.Tag: Der Tag des Piz Buin

Besonders früh wird heute das Frühstück eingenommen. Für unterwegs wird eine Brotzeit mitgenommen, denn es wird ein langer Weg zum Piz Buin. Für heute ist zudem ein Wetterumbruch angesagt, mit Gewitter und Hagel.

 

                                                                       Rückblick auf die Wiesbadener Hütte

 

 

Unsere beiden Bergführer Toni und Hans zeigen großen Respekt vor der Wettervorhersage, auf dem Gletscher gibt es schließlich keinen Unterschlupf. Wir gehen, aber zügig, um bei Wetterumbruch den Gletscher hinter uns zu haben.

 

                       

 

Es werden zwei Gruppen, zu je fünf Wanderern an einem Seil gebildet. Mit Pickel, Stock und GPS-System führen die beiden uns sicher über den Ochsental-Gletscher zum Fuß des Piz Buin. (3312 m)

Auf dem Weg zum Piz Buin

 

 

 

Immer mehr Wolken ziehen heran und erste kalte Nebelschwaden bilden sich. Es bleibt daher nicht viel Zeit zum pausieren, wer hoch will muß zügig handeln! Rucksack ab, wieder ans Seil und los. Ich selbst bleibe mit zwei anderen aus der Gruppe unten. Ich brauche eine Pause denn wir haben 3,5 Stunden bis hierher gebraucht. 1,5 – 2,0 Std. sind für die Besteigung angesetzt und danach muss es wegen der Wetterlage schnell weiter gehen. Es ist wunderschön hier oben inmitten der vielen Berge und Gipfel. Unsere Bergsteigergruppen kommen super gelaunt, stolz und glücklich zurück. Für alle war es ein tolles Erlebnis, den Gipfel zu stürmen. Tanja vollführt einen richtigen Freudentanz...

 

 

Es hat sich mittlerweile komplett zugezogen und es beginnt zu graupeln und zu schneien. Schnell werden die Regenjacken angezogen und es geht zügig über die Fuorcia del confin (3043 m) und  den Silvretta Gletscher. Dann steigen wir über die Grenze zur Schweiz. Ein Holzschild steckt etwas windschief zwischen zwei Felsen. „Schweiz“ steht darauf, sonst nichts. Es hagelt stärker; Zeit für eine Pause oder Fotos bleibt nicht viel. Wir kommen gerade an der Silvretta Hütte an, da geht es richtig rund.

Die Silvretta Hütte ist eine liebevoll geführte und sehr schöne Hütte auf 2341 m Höhe. Ein großer Kamin heizt am Abend die „gute Stube“ ein. Am großen runden Holztisch spielen wir Kniffel und freuen uns über den tollen Tag, den wir gemeinsam erlebt haben.

Schweizer Millitär mit Pferden bringt Brennholz zur Hütte. So etwas imposantes! Die Tiere kommen hoch beladen und dennoch kraftvoll den Berg hinauf. Der Hüttenwirt bringt den Soldaten Kaffee und Kuchen. Unser letzter Abend geht zu Ende.Wir sind ein bischen müde, aber auch ein bischen traurig.

 

 

6.Tag:  Letzter Abstieg – Letzter Tag

Abstieg durch das Medje Täli .700 m geht’s bergab.

 

 

 

Der Abstieg

Nutli-Hüschi Walsermuseum

 

 

Eigentlich kein Problem mehr, aber nach dem Regen und der Schneeschmelze rutscht der Berg alleine ins Tal. Zudem sind die Pferde gestern den gleichen Weg abgestiegen und so wird es eine schöne Matschwanderung bis zur Alpe Sardaska!

 

Ein Taxi bringt uns nach Klosters. Hier bekommen wir noch etwas Kultur „aufgebrummt“. Eine Führung durch ein Walsermuseum - ein sehr liebevoll restauriertes kleines Haus. Die Museumsführerin liebt ihr Museum als auch ihre Aufgabe sehr und sie schafft es, uns mit ihrer Begeisterung anzustecken. Ein schöner Ausklang.

Mit dem Bus fahren wir nach Oberstdorf zurück. Zurück in der Bergschule Oase - Alpin stellen wir die Rucksäcke unter und gehen noch einmal gemeinsam Essen.

Der Abschied ist da. Für mich steht fest; nächstes Jahr auf jedenfall wieder mit der Bergschule Oase - Alpin eine Tour wandern! Vielleicht wieder mit der gleichen Gruppe?

Adressenaustausch, Händeschütteln, in die Arme nehmen ...

 

                                                                  Bis zum nächsten Jahr. Das ist schon bald. Schön wars.

   http://www.oase-alpin.de/

 

 

 

 

Verfasserin: Petra Jüngermann (20.09.2004)