Einleitung

 

Wir, die Gruppe 2, sitzen am letzten Tag der Tour mit 12 Wanderern und einem Bergführer auf der Zielhütte dieser Tour. Es ist der Abschluss unserer gemeinsamen Überquerung der Alpen mit der Bergschule OASE alpin in der Zeit vom 17.07.2004 – 22.07.2004. Schaut Euch diese Gesichter im Ziel an.

Gruppe 2 im Ziel

 

Wir warten auf zwei große Platten mit Wurst, Käse und selbstgemachtem Brot und genießen einige Flaschen Rotwein. Zufrieden über die Zielankunft strecken wir unsere schmerzenden Beine aus. Der atemberaubende Blick über den Stausee macht uns glücklich.

Das Ziel: der Vernagt Stausee

 

Was für eine geniale Woche. Wie fing alles an? Hier der Versuch eine unbeschreiblich schöne Tour in Worte zu fassen.

 

TAG 1

 

Die Fahrt vom Bahnhof zur nahegelegenen Startpunkt „Spielmannsau“ war von gespannter Erwartung und Konzentration geprägt. Entsprechend wenig wurde im Minibus gewitzelt. Ein Zitat von Johann Wolfgang von Goethe beschreibt vielleicht treffend die Situation: „Niemand weiß, wie weit seine Kräfte gehen, bis er sie versucht hat!“

Treffpunkt Spielmannsau

 

Mit den ersten Schritten durch das (noch) breite Tal hinauf zur Kemptner Hütte haben wir spürbar die Eigenverantwortung für unsere Füße übernommen. Ab jetzt wird es ernst. Schon nach 20 Minuten Gehzeit wird aus dem breiten Weg ein steiniger und teils steiler Trampelpfad entlang an einem romantischen Bach (Sperrbachtobel). Und schon bald fangen wir alle an zu schwitzen und die Bedeutung von 850 Höhenmeter bergauf zu begreifen. Eine wunderbare Stille stellt sich nach der anfänglichen Aufregung ein und wir fühlen den besonderen Frieden der Natur und der Berge.

Die erste Rast. Noch suchen wir im Rucksack.

 

Ein toller Tag zum Einlaufen, obwohl wir durch die frühe Anreise noch reichlich müde sind. Am Nachmittag kommen wir auf der Kemptner Hütte an. In kuscheligen Zimmern sind wir diese Nacht freiwillig getrennt nach Männer und Frauen untergebracht. Das eiskalte Wasser im Waschraum erfrischt enorm, eine warme Dusche suchen wir vergebens. Zurück zur Natur. Ein tolles Gefühl. Nach einem erfrischenden Getränk auf der sonnigen Terrasse freuen wir uns auf das ausgezeichnete Essen. Besonders hungrige Wanderer erhalten natürlich einen Nachschlag.

Hurra! Gleich gibt´s Essen.

 

Hintergrundinformationen zu Tag 1:

Gehzeit 3 Stunden   ­850m   ¯0m

Berggasthof Spielmannsau 1071m mit günstigen Zimmer bei Anreise am Vortag

www.spielmannsau.de sowie Kemptner Hütte 1846m, 285 Plätze

 

TAG 2

 

Ein ausgiebiges Frühstück gibt uns Kraft und Geschmeidigkeit, um gleich zu Beginn des Tages unsere Geländegängigkeit zu erhöhen. Die Natur ist schon jetzt faszinierend und das gute Wetter hebt die Laune. Die erste Tagesetappe führt uns zum "Obere Mädelejoch" (1974m). Das Joch ist der Grenzübergang nach Österreich. Steil geht es hinab in Richtung Holzgau und Helmut bekommt erste Gelegenheiten für Tipps beim Bergabgehen. Am beeindruckenden Simmswasserfall vorbei führt der Weg ins Tal. Und im Verlauf des Morgens sammeln wir neue Erfahrungen über Schmerzpunkte beim Bergabgehen.

 

Ein letzter Blick vom Joch auf die Kemptner Hütte

 

Bei der ausführlichen Mittagsrast im Gasthof Bären in Holzgau passiert uns eiligen Schrittes die lustige Männertruppe von der Kemptner Hütte. Im Verlauf der Woche treffen sich E5-Wanderer trotz unterschiedlicher Routen-Varianten immer wieder. Beim Nachtisch beobachten wir die Gleitschirmflieger in der Thermik. Beim ca. 18 km langen Taxitransfer durchs Lechtal und Madautal zum Parkplatz an der Materialseilbahn zur Memminger Hütte überholen wir fröhlich winkend die tapfer marschierende Männertruppe. Unsere Rucksäcke legen wir in die Materialseilbahn. Ein recht steiler Aufstieg mit rund 800 Höhenmetern liegt vor uns. Auf der Memminger Hütte angekommen, realisieren wir das zusätzliche Tagespensum der Männergruppe. Lange nach unserem Nachtisch läuft die Männertruppe ein. Mit gebührendem Applaus werden sie von uns empfangen.

 

Die Memminger Hütte liegt wunderschön

 

Einige Unverdrossene wandern als Verdauungsspaziergang mit Hans noch die 30 Minuten auf den nahegelegenen Gipfel des Seekogel (2412m), um bei einem fantastischen Rundblick den Sonnenuntergang zu betrachten. Nix für mich, ich spare meine Kräfte für die morgige Etappe. Von der sonnigen Terrasse beobachten die verbliebenen Gäste einen Steinbock unterhalb der Hütte.

Ein fantastisches Farbenspiel auf dem Seekogel

 

In einem großen Raum mit 24 Betten ist es ziemlich beengt, aber durch das geöffnete Fenster kommt zu Glück genügend Frischluft. Gute Nacht John-Boy !

 

Hintergrundinformationen zu Tag 2:

Gehzeit 6 Stunden   ­950m   ¯850m

Memminger Hütte, 2242m, 120 Plätze

 

TAG 3

 

Heute steht die längste Etappe an und so gehen wir zeitig um 6:45 Uhr los. Zuerst kraxeln wir über die nahgelegene Seescharte und erblicken die erhabene Silberspitze. Ein letzter Blick auf das Inntal und schon erwartet uns ein einstündiger, recht steiler Abstieg bis zu einer kleinen unbewirtschafteten Hütte.

 

Im Frühtau zu Berge....

 

Birgit und Rita bei der Führungsarbeit

Blick in Richtung Zamser Loch. Je suis prest. Ab jetzt geht es abwärts

 


Wo ist mein Power-Riegel?

 

Nach endlos vielen Schleifen bergab durch das traumhaft schöne Zamser Loch (für mich nur noch das „Tal der tausend Kurven“) kommen wir nach 6:30 Stunden Gehzeit in Zams an. Ortszeit 14:10 Uhr. Hurra! Endlich unten! Freudig klatschen wir uns ab. Wir sind merklich zu einem Team geworden. 1.800 Höhenmeter bergab stecken in den Beinen. Liebe Leser, dieser Abstieg fordert Konzentration und eine gehörige Portion Durchhaltewille.

 

Zwei Tipps:

1. Es gibt spät Mittag. Schmiert Euch lieber zwei Stullen am Morgen.

2. Hebt Euch aufmunternde Witze für die Zeit zwischen nach 12:00 Uhr auf.

 

Nimmt das denn gar kein Ende ?

 

Am nahegelegenen Brunnen wartet schon ein Transporter auf unsere Rucksäcke. Nach einer Seilbahnfahrt (14:30 Uhr) auf den Krahberg (2.208m) gibt es erst einmal eine Mittagsrast im Panorama-Restaurant der Bergstation. Diese wird jäh vom Bergführer der ersten Gruppe verkürzt. Ein Gewitter naht. Wir müssen so schnell wie möglich los! Natürlich wählen die Bergführer den sicheren, aber längeren Weg um den Berg herum. Schade, den schönen Blick auf die Lechtaler Alpen und die Ortlergruppe verpassen wir. Es fängt an zu regnen und zu donnern. Frank und Jörg haben ihre Regenjacke beim Rucksacktransport nicht rausgenommen. Triefend nass feuern sie die Gruppe zum Weitergehen an. Helmut erhöht das Tempo. Das Gewitter zieht nah an uns vorbei. Glück gehabt.

 

Wir überholen Gruppe 1, die es vorziehen, den Regen unter dem Dach einer Jausenstation abzuwarten. Städter halt. Für uns gilt „Weiter“, nur nicht stehen bleiben, sonst könnten sich Frank und Jörg erkälten. Für eine kurze Strecke gibt es keine Markierung, so halten wir auf das nächste Steinmännchen zu. Es geht in den konditionellen Grenzbereich, aber ein Biss in den Power-Riegel verleiht uns Flügel. Die hätten wir jetzt alle gerne. Vor uns liegt das Finale, das Hochmoor. Was für ein Spaß. Es ist zwar keiner hingefallen, aber wir sind bis zu den Knien verdreckt. Helmut´s Rat: „Es gibt auf der Larcher Alm (1814m) eine heiße Dusche für Euch. Duscht doch gleich mit euren Sachen.“ Die reguläre Gehzeit ist 2 ½ -3 Stunden, aber wir schaffen es in 2:11 Stunden. Die Aussicht auf eine warme Dusche ist eine große Motivation.

 

Die kleine Alm ist heute Abend exklusiv für die zwei Gruppen der Bergschule OASE alpin und sie ist eindeutig der Höhepunkt der Tour. Wir sitzen noch länger in der gemütlichen Stube zusammen und schlafen wie die Murmeltiere. Ein Erlebnis der Sonderklasse ist auch das Frühstück auf der Terrasse. Anni verwöhnt uns mit selbstgemachtem Kuchen, eigenem Käse und frischer Wurst, bevor wir schweren Herzens aufbrechen. Hier möchten wir am liebsten noch einen weiteren Tag bleiben.

Jetzt ist die richtige Zeit für guten Rotwein. Je suis prest.

Klein aber fein.

 

Hintergrundinformationen zu Tag 4:

Gehzeit 9 Stunden   ­450m   ¯2100m

Larcher Alm, 1814m, maximal 26 Plätze

 

TAG 4

 

Gemütlich wandern wir auf einem Weg durch den Wald ins Tal nach Wenns hinab und besteigen den Bus, der uns durch das Pitztal nach Mittelberg fährt. Hier angekommen erwartet uns ein weiteres Highlight: Der Aufstieg (1150 Höhenmeter) zur Braunschweiger Hütte (mit 2759m die höchstgelegene Unterkunft auf dem E5).

Unter uns Mittelberg und die Gletscherstube.

Bevor wir unsere Hochleistungskörper zum Einsatz bringen werden, stärken wir uns in der Gletscherstube für den ca. 3-stündigen Aufstieg. Die Rucksäcke haben wir vorher bei der Materialseilbahn abgegeben. Am wilden Gletscherbach entlang klimmen wir höher und höher. Das Wasser kommt aus dem majestätischen Mittelbachferner. Wir erreichen hochalpines Gebiet. Wenn uns nicht der Aufstieg die Luft nimmt, die Aussicht ist wahrlich atemberaubend.

Die Luft ist merklich dünner

 

Der Mittelbachferner. Wow!

 

Hintergrundinformationen zu Tag 4:

Gehzeit 5 Stunden   ­1000m   ¯1000m

Braunschweiger Hütte, 2759m, höchstgelegene Unterkunft auf dem E5, 125 Plätze

 

TAG 5

 

Helmut ermahnte uns am Vorabend, dass Alkoholgenuss auf einer Höhe von 2759m leicht zu einer unruhigen Nacht führen kann. Ich habe in einer Dreier-Box zwischen meiner Frau Meggie und Rita gelegen. Rita erstaunte mich am nächsten Morgen mit den Worten „Du bist der beste Beischläfer auf dieser Hütte“. Was war passiert? War ein ganzes Hefeweizen doch zuviel für mich? Ein klärendes Gespräch mit Rita nach dem Frühstück ergab, dass ich wohl die ganze Nacht weder geschnarcht noch gedrängelt hatte. Was habt ihr denn bei 10 Leuten in einem Raum gedacht?

 

An diesem wunderbaren, klaren Sommermorgen sind zuerst einmal Kraxelqualitäten gefragt. Es geht steil hoch über einen schmalen Pfad im Fels zur Skipiste.

Ein letzter Blick von der Skipiste auf die Braunschweiger Hütte

 

Das Skigebiet von Sölden ist erreicht. Keine Wolke trübt den herrlichen Panoramablick. Einige dick vermummte Snowboarder schauen verdutzt auf die verrückten Wanderer im T-Shirt, die zudem noch quer über „ihre“ Piste gehen. Im Skiurlaub finde ich das monotone Geräusch der Lifte eher beruhigend, jetzt jedoch stört mich dieser Lärm. Es ist zu laut und es sind zu viele Leute hier. Zügig überqueren wir den Gletscher im Gänsemarsch, um anschließend über das Seiterjöchl (3.058m) auf der Tiefenbachseite zum Höhenweg zu gehen.

Wo bitte geht´s zum Apres-Ski ?

 

Der Abstieg auf der Rückseite des Skigebietes dokumentiert eindrucksvoll, dass für einen einzigen neuen Lift eine ganze Bergflanke umgegraben wird. Bloß schnell weg vom Baulärm für touristisch notwendige „Geländekorrekturen“. Wir biegen am Parkplatz rechts ab und nach zwei Biegungen sind wir wieder in der Natur. Die Aussicht auf diesem Höhenpanorama-Wanderweg nach Vent im Ötztal ist Genuss pur.

 

Für das Panorama bleiben wir gerne stehen

Unsere „Gruppe 2“ auf dem Panorama-Höhenweg

 

Am Ende des Tals liegt Vent, aber bis dahin haben wir noch eine lange Wegstrecke vor uns. Die Zeit vertreiben wir uns mit der Vorfreude auf ein richtiges Hotel. Nach einem leckeren Mittagessen beziehen wir wunderschöne Zimmer mit allem erdenklichen Komfort. Den Nachmittag verbringen einige trotz Sonnenschein im Bett, andere in der Badewanne oder in der schönen Wellness-Landschaft mit Sauna und Schwimmbad. Luxus im Überfluss garantiert einen tiefen Schlaf.

Hintergrundinformationen zu Tag 5:

Gehzeit 6 Stunden   ­300m   ¯1100m

Hotel Post, 1896m, www.vent-hotel-post.com


 

Tag 6

 

Die Sonne begleitet uns bei unserem Spaziergang auf einem befestigten Weg bis zur Martin-Busch-Hütte. Endlich können wir nebeneinander gehen und ein gemütliches Schwätzchen halten. Die Zeit vergeht wie im Flug. Es ist der letzte Tag und wir sind in Hochstimmung. Es sind noch alle dabei und wir werden auch gemeinsam das Ziel erreichen. Ein frisches Weißbier bei diesem Wetter ist ein Genuss.

Dieser Tag sollte ewig andauern

Im Gänsemarsch geht es weiter zur Similaun-Hütte (3019m). Endlich einen ganzen Vormittag nur bergauf.

Wo liegt der Ötzi ?

Der letzte Anstieg

 

Auf der Similaun-Hütte sind wir nochmals über 3000 Meter hoch. Es gibt hier die besten Spaghetti der Tour und leckeren Gorgonzola. Schließlich sind wir jetzt in Italien.

 

Wir sind in Italien

 

Der Abstieg zum Vernagt-Stausee im Schnalstal erweist sich mit 1.100 Höhenmetern noch einmal als würdige Herausforderung dieser Alpenüberquerung. Das Ziel ist fest im Blick und uns wird bewusst, dass die Tour zu Ende geht. Die letzten 200 Höhenmeter bin ich so ergriffen von Glücksgefühlen, dass ich eine ganze Packung Tempo-Taschentücher benötige. Das sind die schönsten Tränen meines Lebens in einem einfach unbeschreiblich schönen Moment. Uta, Birgit und Rita verweilen noch auf einer schönen Blumenwiese oberhalb des Ziels. Ich glaube, so richtig will keiner, dass die Tour zu Ende geht. Ganz still überquere ich die „Ziellinie“. Den Applaus der anderen Teilnehmer nehme ich nur entfernt wahr. Überglücklich liegt sich unsere Gruppe in den Armen. Helmut gratuliert uns zur erfolgreichen Überquerung der Alpen zu Fuß. Am Abend erhalten wir sogar eine Urkunde.

 

Hintergrundinformationen zu Tag 6:

Gehzeit 7 Stunden   ­1100m   ¯1200m

 

Ein Luxus-Reisebus bringt uns in das Hotel nach Meran, wo wir gemeinsam einen fröhlichen Abschluß feiern. Am nächsten Morgen geht es zurück nach Oberstdorf. Der Bus fährt 5 Stunden und wir fragen uns, ob wir tatsächlich so weit gegangen sind. Auf der Rückreise werden schon erste Pläne für die nächste Wanderung besprochen. Hier endet unser Tourenbericht.

 

Aber einen kleinen „Nachschlag“ gibt es noch, obwohl ich davon absehe, den Taxifahrer-Witz festzuhalten. Die Gruppe hat mich gebeten, unserem Bergführer Helmut eine Dankesrede zu halten. Es war mir eine Ehre und auf vielfachen Wunsch habe ich die Rede schriftlich festgehalten.

 

Dankesrede für unseren Bergführer Helmut

 

Der liebe Gott hat es diese Woche ganz besonders gut mit uns gemeint. Wir hatten beim Wandern; bis auf kleinere Wolkendecken und einem kurzen Gewitter am dritten Tag; die ganze Woche über strahlenden Sonnenschein. (Anm. der Redaktion: Thomas Dempfle, der Inhaber der Bergschule OASE alpin, meint bei unserer Rückkehr, dass wir eine der schönsten Wochen des Sommers hatten) Jeder von uns hatte einen sicheren Tritt und bis auf kleinere Blessuren gab es keine einzige ernsthafte Verletzung. So sind wir alle heil am Ziel angekommen. Dafür danken wir dem lieben Gott.

 

Jeder von uns kam mit seiner eigenen Erwartung in Oberstdorf an und jeder war sicherlich voller Respekt vor den anstehenden körperlichen Anforderungen der kommenden Tage. Viele haben sich gefragt, ob die Kondition und die Willenskraft ausreichen wird, um quer über die Alpen marschieren zu können. Wir haben die Tourenberichte zu diesem Vorhaben gelesen. Wir haben von der Faszination der Tour gelesen, aber auch von den Strapazen und Schmerzen, die zu ertragen sind. Jeder von uns kam zudem mit seinen eigenen Zielen, seiner eigenen Motivation, weshalb er/sie zu Fuß über die Alpen gehen will. Mein Motto lautet: „Je suis prest“ („Ich bin bereit“).

 

Unser Bergführer Helmut sagte am zweiten Tag „Wer Urlaub auf der Galeere bucht, muss auch rudern“. Jetzt wissen wir genau, was er meint. Es gab zwar einige Blasen, aber die befürchteten blauen Zehen vom Bergablaufen, die gab es nicht in unserer Gruppe. Die Wahl des richtigen Schuhwerks scheint entscheidend zum Genuss der Tour beizutragen.

 

Bevor ich über Helmut rede, noch einige Worte zur Gruppe, „Gruppe2“. Wir sind als Individualisten angereist; doch nach dieser gemeinsamen Woche gehen wir als Team, als Kameraden, als Freunde. Jeder hat sich am letzten Tag der Tour bereit erklärt, Meggie ein wenig Gewicht abzunehmen, um ihren Rucksack so leicht wie möglich zu machen.

 

So bekam Meggie, die im letzten Jahr nicht viel Sport getrieben hat, die Chance, das Ziel zu Fuß zu erreichen. Am diesem Tag erfährt Meggie, dass auch ein schwerer Weg mit Leichtigkeit gegangen werden kann. Weniger Ausdauer hat sie mit außergewöhnlicher Willenskraft kompensiert. „Spaß zu haben im Leben bedeutet nicht Schmerzen zu vermeiden“. Eine erlebte Erkenntnis. Die Gruppe hat es ihr ermöglicht.

 

Als Sprecher der GeheimSektionKriftel (unsere Mission hatte den Codename GSK E5) bin ich am Ende unserer Tour autorisiert, euch mitzuteilen, dass wir (eine Gruppe von 3 Paaren aus Kriftel bei Frankfurt am Main) eine geheime Mission hatten. Wir haben auf der Zugfahrt nach Oberstdorf spontan die GeheimSektionKriftel gegründet, um einen Abschnitt auf dem E5-Wanderweg zu finden, den wir als Sektionsgebiet ausweisen und somit bewirtschaften dürfen. Damit die Mission erfolgversprechend beginnen kann, haben wir zuerst eine Organisation definiert:

 

Reiseleitung Carmen - Als Initiatorin hat sie die Organisation hervorragend vorbereitet und umgesetzt. Hierfür ein dickes Lob. Ihr Motto „Laufen solange das Knie hält“

 

 

Zeugwart Frank hat die Aufgabe, der GSK die erste Runde Getränke nach der Ankunft auf der jeweilige Hütte zu organisieren. Frank kam dieser Aufgabe nicht nach. Wieso hat er uns nicht verraten J. Franks Motto: „Mit kleinen und beständigen Schritten komme ich ans Ziel“

 

Kassenwart Meggie hat die Aufgabe, dem Zeugwart das notwendige Budget durch spontane Beitragserhebungen zur Verfügung zu stellen. Meggie´s Stellungnahme: „Die Konzentration auf das Ziel war maßgeblich und mein Motto ist „Einen Fuß vor den anderen“, da bleibt kein Platz für Kollekten.“

 

Ihr gegenüber sitzt der Verfasser dieses Berichtes: Pressewart Michael ist für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Unermüdlich erzählt er von der GeheimSektionKriftel. Sein Motto: „Je suis prest“ („Ich bin bereit“)

 

Präsidentin Christina und Vizepräsident Andy - Der Vizepräsident (MD Night) ist an ungeraden Tagen für die Sicherheit und den ungestörten Schlaf der GSK-Mitglieder verantwortlich. Der Präsident ist für die Sicherheit am Tage zuständig. An geraden Tagen tauschen beide ihren Titel nebst Verantwortlichkeit. Andy und Christina haben den Job prima erledigt, obwohl Christina selbst zur Gruppe der Schnarcher zählt. Im Schlaf sägt Christina so viele Bäume um, dass andere Personen von nächtlichen Kettensägenmassakern reden. Dank Oropax (nur die helfen) konnten aber alle halbwegs ausgeruht die Nächte überstehen.

Überholen wir heute mal die erste Gruppe?

 

Christina´s Motto: „Jeder Schritt ist ein Schritt zu mir“

Andy´s Motto: „Ohne Waden über die Alpen”

 

Im Hotel Post in Vent hielt die GeheimsektionKriftel ihre erste Jahreshauptversammlung ab und wir haben mehrere Beschlüsse gefasst:

Die GeheimSektionKriftel

 

1.            Neuaufnahme von Mitgliedern

Damit unsere Geheimsektion zukünftig noch reibungsloser funktioniert, benötigen wir noch Fachexperten. Wir haben unsere Gruppenmitglieder eine Woche lang intensiv beobachtet und möchten folgende Ämter mit Neumitgliedern unserer Gruppe besetzen. Natürlich müsst ihr erst einmal Mitglied im GSK werden. Gegen eine einmalige Aufnahmegebühr von einer Runde Obstler würden wir folgende Personen mit sofortiger Wirkung als Mitglied mit festem Aufgabenbereich aufnehmen:

 

Marco zuständig für „Archiv und Dokumentation“. Keiner hat häufiger und wagemutiger auf den Auslöser gedrückt als Marco. Helmut griff mehrmals bei einer wackeligen Standwahl ein. Unser Youngster „Merkur“ schoss über 350 Fotos!

 

Birgit, meine Perle aus dem Sauerland und Rita, die mich für den besten Beischläfer der Tour hält, können mit sofortiger Wirkung das Amt für Ausdauerberatung übernehmen. Beide haben maßgeblich das Tempo vorgegeben und haben am 3. Tag beim langen Abstieg nach Zams sogar Gruppe 1 überholt.

 

Silke könnte die Bereiche Tiefschlafberatung („Welche Schnarcher? Ich habe gut geschlafen“) und Materialwirtschaft („Jörg, pack doch schon mal die Handtücher in den Rucksack“) übernehmen. Da jedoch Jörg bereits am Mobiltelefon war, konnte er Silkes Instruktionen unmittelbar nach dem Aufwachen nur bedingt entgegen nehmen und umsetzen.

 

Mitten auf dem Panorama-Höhenweg fiel der entscheidende Satz von Jörg zu seinem Telefongesprächspartner: „Du ich muss jetzt aber Schluss machen, ich muss hier mal über ein schwieriges Schneefeld gehen“. Wir schlagen Jörg als ultimativen Telefonisten für jedes Gelände vor.

 

Uta hat sich im Verlauf der Woche mit lockeren Diskussionen über Pausendauern und Wegrichtungen qualifiziert für die Position „Diskussionsleitung“ und als zweites Amt erhält sie die Funktion „Minderheitenbetreuung“.

 

Nun zu Helmut, unserem hellblonden Bergführer mit jahrelanger Erfahrung. Mit Waden so dick, wie mancher Oberschenkel, hast du uns herzlich in Empfang genommen. Ein prüfender Blick auf das Gewicht unserer Rucksäcke und schon durfte der eine oder andere noch einige Gegenstände wieder auspacken. Mit 12 kg hat Andy den schwersten Rucksack. So ist das halt, wenn man auf Haar-Gel, seinen Laptop und die elektrische Schuhputzmaschine nicht verzichten will.

 

Lieber Helmut, wir kamen größtenteils als Anfänger, aber wir gehen als Helden. Du hast uns alle gesund und munter über die Alpen gebracht. Zudem hast du uns in den vergangenen Tagen sehr viel beigebracht. Trittsicherheit in schwierigem Gelände und das Verhalten auf Hütten mit kaltem Wasser („Wasch dich halt nicht“). Bei deinen sachkundigen Erzählungen über die vorhandene Botanik fällt mir folgende Anekdote vom 3. Tag ein: Helmut erzählt den vorderen Wanderern etwas über die „Alpenflockenblume“ und mittels stiller Post kommt beim hintersten Wanderer an: „Und jetzt links die Alte-Socken-Blume“. Oder das selten gewordene „Einköpfige Ferkelkraut“. Bei der Tierwelt klärst Du uns auf, dass die Murmeltiere möglicherweise vom örtlichen Touristenverband inszeniert sein könnten. Es könnten batteriebetriebene Murmeltiere sein, die zu Beginn der Wandersaison in den einzelnen Sektionen aufgestellt werden.

 

Auch der gesichtete Steinbock unterhalb der Memminger Hütte sei möglicherweise nicht echt. Wir vermuten, dass es der Hüttenkoch ist, der in einem Steinbockkostüm herumspringt, um die Wanderer zu belustigen. Besonders hervorheben möchten wir deine Bereitschaft, jede Frage bereitwillig zu beantworten und immer wieder den vor uns liegenden Weg zu erklären. Deine Witze hielten uns stets bei guter Laune.

 

Helmut, Deine „Gruppe 2“ hat gesammelt und wir möchten Dir folgendes Geschenk als Zeichen unseres tiefen Dankes überreichen. Es soll ein Zuschuss zu deiner anstehenden neuen Waschmaschine sein. Nochmals vielen Dank und ein Prosit auf Helmut.

 

Des weiteren danken wir der Gruppe 1, die am Nebentisch sitzt. Ihr habt uns am 5. Tag  im Schnee den Weg gespurt. So etwas haben wir nie für Euch getan. Ein Prosit auf Gruppe 1.


 

Unser zweiter Beschluss ist ebenfalls einstimmig:

Beide Bergführer Helmut und Hans werden zu lebenslangen Ehrenpräsidenten der Geheimsektion Kriftel ernannt. Eure Aufgabe ist die Findung einer Partnersektion. Natürlich muss die Partnersektion „Geheim“ sein. Somit lautet Eure Aufgabe „Findet uns eine Geheime Partner Sektion (GPS)“. (Anmerkung der Redaktion: Beide Ehrenpräsidenten haben am Abend in Meran natürlich eine Ernennungsurkunde mit den Unterschriften der Gruppe 2 erhalten)

Die GeheimSektionKriftel 2004. Our Mission will continue...

 

Schlußwort

 

Im nächsten Jahr sehen wir uns wieder. Wir planen, den dritten Abschnitt des E5 von Rovereto nach Verona nach einer geeigneten Sektion sowie einer Partnersektion zu durchkämmen. Natürlich mit der fachkundigen Betreuung der Bergschule OASE alpin aus Oberstdorf, der wir unseren Dank aussprechen.

 

 

Wir empfehlen Euch uneingeschränkt weiter:

 

Berg-Heil