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Nach Oberstdorf - da zog's uns hin, hier ist unser Tour-Beginn. Wir haben uns noch nie gesehen, nun wollen wir zusammen über die Alpen gehn. Unser Bergführer"Luis der Große" marschiert mit uns in seiner Wanderhose. Mit "schlafwandierischer" Sicherheit ist Berg-Azubi Andreas an seiner Seit', als Lumpensammler uns'rer Tour ist er den Letzten auf der Spur.
Doch kaum sind alle angetreten mußten wir uns're Rucksäcke auf die Waage legen. Hier wurde gefeilscht um jedes Gramm, es wurde uns ums Herz ganz bang. Gesucht wurde in allen Ecken, nichts konnte man im Sack verstecken, bis dann kam der Friedel dran, was hat der bloß im Sack, der Mann? Die Banane ist in der Oase geborgen, doch wohin das Getränk entsorgen? Er erledigt das auf seine Weise und kippt das Wasser auf die Bahngeleise. Auch die Beutel voller Tee durften nicht mit, o weh, o weh! Man zog aus den Säcken mit großem Gedön' für die Haarpracht einen Fön. Für Bücher, eben erst erstanden, war ebenfalls kein Platz vorhanden. Befreit von unnötigem Ballast begann die Tour - der Rucksack wog nur noch die Hälfte fast.
Die Beine sind nun wie geschmiert, wir laufen, was das Herz begiehrt. Ab Spielmannsau ging es bergan, patschnaß erreichten wir die Kemptner Hütte dann. Hoffentlich trocknen uns're Sachen, sonst haben wir morgen nichts zu lachen. Von der Hose bis zum Hemd, alles wurde aufgehängt. Ach hätten wir doch einen Fön, doch der blieb unten, für uns nicht schön. Stündlich rannte man in den Trockenraum, leider trockneten die Klamotten kaum.
Und am frühen Morgen dann fing der Kampf im Feuchtraum an. Es triefte noch an allen Ecken, doch das konnte uns nicht schrecken. Mit klammen Sachen an dem Leibe verließen wir die erste Bleibe. Wir wanderten übers Mädelejoch zur Memminger Hütte, ein richtiges Loch.
Vorsintflutlich war es hier, zwei Toiletten im ganzen Revier. Abends bei der Wäscherei gab's ein höllisches Geschrei. Eiskalt das Wasser aus dem Brunnen rann, es brüllten alle, Frau und Mann. Dann ging sie los, die große Schlacht, hoffentlich habe ich einen Platz für diese Nacht. Doch ich schlief ruhigem Gewissen die ganze Nacht, auch ohne Kissen.
Ab hier ging die Tour erst richtig los, wo ist denn nur die Sonne bloß? Sechs Uhr dreißig, zu nachtschlafender Zeit, waren wir alle schon bereit. Müde und noch ganz benommen wurde Kurs auf die Seescharte genommen. Durch eine Weit von "Nebelungen" haben wir bergauf uns're Beine geschwungen. Ein grandioser Ausblick sollte es sein, doch der Nebel hüllte alles ein. Ab ging's über Stein und steile Pfade, es gab keine Gnade für die Wade. Zweitausend Meter ging es runter, wir waren alles andere als munter. Und wollten Luis' Füße nicht mehr, mußten seine Hände her. Auf diesen steht er fest und stramm und schaut uns dann von unten an, was ist das doch für ein toller Mann!
Von Zams aus ging es weiter dann mit großen Schritten zur Venetbahn. Auf dem Krahberg wurden wir zweigeteilt, die Schnellsten sind mit Luis geeilt. Für die anderen erfüllte sich ein Traum, sie durften sich Berg-Azubi Andreas anvertraun. Hier hat der Luis Gas gegeben, wir konnten ganz schön was erleben. Im Eiltempo ging es rauf und wieder runter, alle waren müde, nur Luis, er war munter. Hier sollte eine Show abgehn, Heidi war weg, nur der Rucksack noch zu sehn. Sie hat geschrien, der Schreck saß tief, Stephan hat sie aus dem Graben gehievt.
In der Ferne grüßt schon die Larcher-Alm, hier gab's die erste Dusche und viel Qualm. Ein Häuschen voll Gemütlichkeit, da war die "Kruschtelei" nicht weit. Der Schäferhund mit großen Tatzen verschmähte Gott sei Dank die Käsespatzen. Stattdessen schlugen wir uns die Bäuche voll, auf dem Matratzenlager trieben wir es toll. O, wie ist das Leben schön, wenn wir zusammen schlafen gehn. Müde sind wir, gehn zur Ruh', machen keine Äuglein zu, denn es ist doch altbekannt, die Übernachtung auf 'ner Hütte ist pikant. Morgens brauchten wir keinen Wecker, das besorgten die Lämmer mit ihrem Gemecker.
Nach einem guten Frühstück dann steuerten wir das Pitztal an. Die Braunschweiger Hütte war das nächste Ziel, ohne Gepäck war das alles ein Spiel. Nach dem Abendessen gab's eine Extra-Tour, zum Plitztaler Jöchl führte uns die Spur, Mit Luis an der Spitze war alles ganz leicht, nach dreißig Minuten war's Jöchl erreicht. Auf dem Rückweg zur Hütte, es war schon fast Neun, konnte man sich an einer Schneeballschlacht erfreun. Hier tranken wir Tiroler Roten, den hat der "Chef" uns nicht verboten, denn der edle Rebensaft. gibt uns allen Saft und Kraft.
Am nächsten Morgen viel Nebel und Dunst, das Wetter war wieder mal verhunst.
Ab ging's auf dem Rettenbach-Jöchl nach Vent, mal sehn, ob hier die Sonne brennt. Mitten im Berge, das ist doch klar, stand Luis in kurzen Hosen da. Schaut her, ich bin's, ein starker Mann, ich zieh mich für gutes Wetter an. Und siehe da, es hat's gebracht, die Sonne nun vom Himmel lacht. Der Bergführer sagte- "Ich hab' eine Bitte, benehmt Euch, Ihr seid nicht mehr auf einer Hütte. Hier geht es nun gesittet zu, dann hat die Wirtin auch ihre Ruh'." Wir haben uns so gut benommen, daß wir vom Buffet was abbekommen.
Und hier von Vent ging's dann husch, husch, zur Hütte von dem Martin Busch. In Rekordzeit sind wir hochgelaufen, um dann beim Weizen zu verschnaufen. Friedel, im Land des Ötzi-Mann, zog sich aus und wieder an. Er wollte auch ein Ötzi sein und zeigt bei Eis und Schnee viel Bein. Durch Schnee und Hagel, man glaubt es kaum, kamen wir nach Italien am Similaun. Ab hier ging's nur noch steil bergab bis wir erreichten den See von Vernagt. Der Weg dorthin war richtig schön, man konnte uns wie die Bergziegen springen sehn. Hier sollte die Tour zu Ende sein, es stellte sich erste Wehmut ein. Ach, könnten wir doch weitergehn, denn es war so wunderschön.
In Meran, wer hätte das gedacht, haben wir die Nacht zum Tage gemacht. Mancher Tropfen war geflossen, drum wurde zum Abschied die Tour nochmal begossen.
Mit "Berg Heil" und frohem Sinn grüßt herzlich Simone - eine Dichter- und Denkerin.
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