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 a  c  h  s  t   e  i  n  k  l  e  t  t   e  r  s  t  e  i  g  e



 




4. bis 9. August 2001




von Silvia Erkes




Das Dachsteinmassiv wartet innerhalb der nördlichen Kalkalpen nicht nur mit dem zweithöchsten Gipfel auf, nirgends sonst gibt es in diesem langen Gebirgszug so ausgedehnte Gletscherflächen. Auf relativ kleinem Gebiet wird dem Alpinisten einiges geboten: die bei Kletterern bekannte und beliebte Südwand über der Hochebene der Ramsau, die weitläufigen Karst- und Gletscherflanken über dem Hallstätter See, die eindrucksvolle Verbindung von Fels und Eis über der schmalen Furche der Gosauseen.
Hermanns Bergkameraden gehen nun nach dem Lechtaler Höhenweg ihre zweite Tourenwoche an. Die Zusammenstellung der Teilnehmer hat sich zwar leicht geändert, wir sind aber weiterhin in vertrauter Runde und unter der obligatorischen, guten Führung von Georg unterwegs.




1.Tag, Samstag

Wir treffen uns nachmittags in Schladming am Bahnhof, der Zug kommt einigermaßen pünktlich und nach fast zehnminütiger Suche finden wir auf dem riesigen Bahnhofsgelände (zwei Gleise...) auch Julius. Dann geht's per Auto in die Ramsau; die zweieinhalb Kilogramm schweren Überraschungspakete bestehend aus Klettersteigausrüstung und Steigeisen finden noch irgendwie Platz im oder am Rucksack und dann kann's endlich losgehen: gut drei Stunden Aufstieg in schwüler Hitze zum Guttenberghaus (2146m) im östlichen


Teil des Dachsteinmassivs erwarten uns. Naja, ''Fahrtwind'' kühlt, so waren wir um einiges schneller oben. Das erste Radler hat dann allerdings gewaltig gezischt!


2.Tag, Sonntag


Heute steht der Jubiläumssteig auf den Eselstein (2550m) auf dem Programm. Da wir noch einmal auf dem Guttenberghaus übernachten werden, ist der Rucksack halbwegs leicht, der Steig dafür sehr schwierig. Der Zustieg ist kurz und schon bald geht es am gut verankerten Drahtseil den Südgrat mitunter sehr steil und luftig hinauf. Wahre Tiefblicke gibt's heute aber nicht, denn neblig ist's. Auf die durchaus anstrengenden Passagen folgen zwischendurch immer wieder
Guttenberghaus mit Eselstein

einige Meter Gehgelände zur Erholung. Am Gipfel angekommen, verabschiedet sich der Nebel allmählich. Nach der wohlverdienten 
Guttenberghaus und Eselstein



Pause geht es geröllig durch die Ostflanke hinab zur Feisterschart'n. Es ist noch früh, die Sonne lacht, also hinauf auf den Sinabel (2340m), den Hausberg der Hütte! Oben genießen wir die wunderschöne Aussicht, werfen einen Blick auf die Hohen Tauern im Südwesten und die Blumen zu unseren Füßen. Bis der Appetit auf Apfelstrudel uns zurück treibt.




3.Tag, Montag

Früh aufstehen heißt's, der Weg ist lang und steing...aber schööön! Die Route verläuft von der Gruberschart'n über den Ramsauer Klettersteig, weiter über die Edelgrieshöh, dann zum Schladminger Gletscher und von der Hunerschart'n durch die Schwaderingen hinab zur Südwandhütte (1871m).
Der Klettersteig bietet ein landschaftlich reizvolles Erlebnis und führt meist leicht oder mäßig schwierig auf einer Länge von 4 km über mehrere Gipfel (höchster Punkt Scheichenspitze (2664m)). Allerdings gilt es auch einige steile und ausgesetzte Passagen zu meistern. Auch der Weiterweg zur Hunerschart'n und der Abstieg bieten viel Abwechselung. Insgesamt eine anspruchsvolle Tour, zumal der Abstieg durch die Schwaderingen noch ein hohes Maß an Konzentration verlangt. Nach zehn Stunden gibt's dann endlich das lang ersehnte Radler. Zisch!




Jetzt wird's steil!

Rast auf der Scheichenspitze

Rast auf der Scheichenspitze




Jetzt wird's steil!







4.Tag, Dienstag

Heute teilen wir uns: viermal Johann und zweimal Seilbahn. Aber wieso kommen die ''Johanns'' nicht auf die Idee zumindest ihre Steigeisen den ''Fahrern'' mitzugeben...? Der erst zwei Jahre alte 'Johann' (500Hm) verläuft durch die Dachsteinwarte-Südwand und bietet grandiose Ausblicke: nach unten - er verläuft in großen Teilen nahezu senkrecht durch die Wand - und in die Dachstein-Südwand, bei Kletterern bekannt und beliebt.
Der Steig wird von wahren Eisenliebhabern sehr gemocht, Ästheten mögen beim Anblick der sehr zahlreichen Trittstifte in den glatten Wandfluchten allerdings weniger begeistert sein.




Kraftraubend steil
Da geht's aufi!



Kraftraubend steil ist er, der Johann!


Da geht's aufi!




Der Einstieg jedenfalls hat's in sich! Extrem schwierig, überhängend, nasses Drahtseil! Dann wechseln sich mäßig schwierige bis sehr schwierige Passagen ab, aufgrund des Andrangs bei dem Superwetter ergeben sich aber immer mal wieder Wartepausen. Dennoch geht der Steig Leuten ohne kletterspezifische Erfahrung gehörig in den Bizeps... Ca.50m unterm Ausstieg winkt uns Kathrin zu, Julius huscht in die Dachsteinwartehütte (2740m, unmittelbar am Ausstieg) und besorgt uns jedem ein Empfangsradler. Was ein Service!!! Zisch!!! Nach ausgiebiger Rast geht's weiter über den Hallstätter Gletscher. anschließend geht's steinig weiter bis zur Simonyhütte (2203m). Endlich am Ziel, nach zehn Stunden!
Am Abend gibt's noch einen kleinen Spaziergang zur ''Hüttendoline'', überdacht und zum Kletter(steig)garten umfunktioniert. Beeindruckend!
Hallstätter Gletscher


Auf dem Hallstätter Gletscher



5.Tag, Mittwoch


Einstieg Wildkar KS
Am Einstieg vom Wildkarklettersteig


Das spricht für sich, oder?


Adamekhütte, Gosaugletscher und Hoher Dachstein

karstige Rast



Adamek Hütte mit Dachstein und Gosaugletscher

Heute gehen wir zur Adamekhütte (2196m), nehmen aber auch den Wildkar Klettersteig mit. Es ist heiß, die Hände schwitzen, was den ohnehin als schwierig bis sehr schwierig eingestuften Steig nicht einfacher macht. Die Schwierigkeiten beschränken sich auf die untere Hälfte, wo es den Wildkarpfeiler zu meistern gilt. Nach einer Stunde verlassen wir das Eisen und gehen über den Ochsenkogel zum Hohen Trog. Nun sind wir wieder auf dem 'direkten' Weg zum Tagesziel. Der Weg ist anstrengend, die Hitze macht durstig, sehr durstig. Da, eine Quelle!!! Nach der kühlenden Rast geht's wieder schrofig, steinig, blockig weiter zur Hoßwandschart'n. Unsere Fußmuskulatur steht schon kurz vorm Streik, doch die gute Gruppendynamik sorgt für die nötige Motivation; so nähern wir uns langsam aber stetig der Adamekhütte. Schuhe aus und nicht mehr bewegen... Dafür genießen wir die Sonne jetzt so richtig bzw. flüchten vor ihr in den Schatten...




6.Tag, Donnerstag

Heute soll's hinauf gehen auf den Hohen Dachstein (2995m). Der Weg führt uns zum und über den Großen Gosaugletscher. ''Wollt ihr mehr über Fels oder Eis?'' ''Über Fels.'' Warum eigentlich, haben wir uns gestern nicht genug gequält...? Aber schließlich heißt es ohnehin wieder Gurt und Steigeisen anlegen und das Gehen wird wieder ''muskelfreundlich''. An der oberen Windluck'n - der Name macht schon Sinn - tauschen wir Eisen gegen Klettersteigset und hinauf geht's unschwierig über den Westgrat. Allein ist man am Hohen Dachstein eigentlich nie, dafür sorgt die Gletscherbahn. Das merken wir spätestens am Gipfel, aber besonders intensiv beim Abstieg durch die Nordwand (Normalweg, wenn auch nicht der leichteste Anstieg). In Anbetracht der Überfüllung geht unsere Abkletterei sehr ordentlich von Statten. Doch der Helm hat sich bewährt! Die Randkluft fordert noch etwas Kameradschaft, dann geht's hinab auf den gut gefüllten Gletscherwanderweg und bei der Bergstation der Gletscherbahn (2685m) trifft uns der Zivilisationsschock. Guck mal, Touristen! Und sooo viele! Also schnell runter und ab in den Gastgarten, flüssige und feste Kalorien tanken!!! Ist doch schön, diese Bergbahn-Infrastruktur, oder??? Dann bringt uns der Bus zurück in die Ramsau und uns bleiben viele schöne Erinnerungen. Und am heutigen Tag auch noch das Superwetter, das uns die ganze Woche begleitet hat.




Auf dem Gr.Gosaugletscher

Auf dem Gr.Gosaugletscher

Auf dem Gipfel





Auf dem Gipfel