Pressebericht: Alpenüberquerung
- Zu Fuß über die Alpen - Auf dem Fernwanderweg
E5 In sechs Tagen von Oberstdorf nach Meran
Der Mythos Alpendurchquerung lebt: Der Europäische
Fernwanderweg E 5 vom Bodensee zur Adria führt
auf der Etappe Oberstdorf - Meran vom gemütlichen
Alpenvorland hinein in die zerrissene Eiswelt der Ötztaler
Alpen und hinunter in die Palmenwelt Merans.
Vom Menschengewühl in Oberstdorf mit dem Taxi
bis zur Spielmannsau und von dort in drei Stunden auf
die Kemptener Hütte. Das Grün der Almweiden
reicht bis unter die nahen Gipfel. Freundliche Bewirtung
mit jeder Menge Nachschlag, damit am nächsten Tag
ja keiner hungrig übers Joch ins Österreichische
muss. Am nächsten Morgen kurzer Anstieg ins Mädelejoch
an der deutsch-österreichischen Grenze und Abstieg
durch den Höhenbachtobel nach Holzgau ins Lechtal.
Die Taxifahrt ins wildromantische Madautal verursacht
bei den meisten Gästen ein flaues Gefühl im
Magen - vielleicht, weil der Taxifahrer fortwährend
von seiner Seemannszeit erzählt. Zur Entschädigung
schweben die Rucksäcke danach mühelos mit
der Materialbahn in die Höhe, während die
schon etwas müden Gehwerkzeuge noch zwei Stunden
Steigarbeit bis zur Memminger Hütte leisten müssen.
Einige Weitwanderer lassen sich zu einem spätabendlichen
Gipfelsturm auf den Seekogel hinreißen.
Am nächsten Tag "nur" anderthalb Stunden
Aufstieg in die Seescharte, dafür 1800 Höhenmeter
hinunter nach Zams im Inntal. Die Sonne sticht und lacht
vor sich hin, und so mancher Fluch verhallt in der steilen
Schlucht, dem Zamser Loch. In Zams wandert die Truppe
zusammen mit qualmenden Fernlastzügen durch die
Ortschaft, um an der anderen Talseite mit der Venetbahn
in stillere Höhen zu schweben. Noch einmal zwei
"saure" Gehstunden über den Venetberg
bis zur Larcheralm. Hier verbergen sich hinter altem
Holzgebälk die erste Dusche seit Oberstdorf und
eine nette Almwirtin. Gemütlich geht es am nächsten
Morgen über den Forstweg hinunter nach Wenns im
Pitztal und dort mit dem Linienbus nach Mittelberg.
Dass die Materialbahn zu den besten Erfindungen dieser
Welt zählt, davon sind die meisten Weitwanderer
überzeugt, nachdem Sie nochmals ohne Gepäck
den Hüttenanstieg zur Braunschweiger Hütte
genießen können. Kurz vor der Hütte
der endlose Blick in die Eiswelt der Ötztaler Alpen.
Früh am nächsten Morgen steigt die Gruppe
hinauf zum Pitztaler Jöchl, dem mit 3000 Metern
höchsten Punkt der Wanderung. Die Aussicht reicht
bis weit hinein nach Südtirol. Nach einem kurzen
Abstieg zum Rettenbach- und Tiefenbachgletscher führt
die Route über den neu erbauten Panorama-Höhenweg
nach Vent; hier gibt es die zweite Dusche seit Oberstdorf.
Am letzen Tag ein langer, gemütlicher Anstieg vorbei
an der Martin-Busch-Hütte ins Niederjoch und zur
Similaunhütte. Hier wurde "Ötzi"
gefunden. Für die Gruppe verläuft der zweite
Grenzübertritt der Wanderung jedoch ohne Probleme.
Auf der anderen Seite 1200 Höhenmeter hinunter
nach Vernagt im Schnalstal, wo der Bus nach Meran wartet.
Dort sitzt die Hitze drückend im Talkessel, aber
der Wein schmeckt doppelt gut, und die Palmen erscheinen
so unwirklich wie die gesamte Tour. Die Alpen, in sechs
Tagen durchwandert. Auf abenteuerlichen Schleichwegen,
die die riesigen Berge teilen, wie damals Abrahams Hand
das Rote Meer.
Christian Ladurner
INFO
An- und Abreise: Anreise nach Oberstdorf mit PKW oder
Bahn. Busrückfahrt von Meran.
Beste Wanderzeit: Ende Juni bis Mitte September
Voraussetzungen: Durchschnittliche Kondition, Trittsicherheit
und Ausdauer für Tagesetappen von bis zu neun Stunden.
Medizinische Versorgung: Fast täglich wird eine
Ortschaft im Tal durchwandert. Alle Schutzhütten
verfügen über Telefon.
Karte und Wanderführer: von Kompass ("Wanderführer
E 5")
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