Pressebericht: Wenn
die Gedanken im Schnee versinken...
Schneeschuhwandern ist auch im Allgäu immer
mehr im Kommen
Oberstdorf/Landkreis Oberallgäu (lz). Hubert Lousberg
(64) aus Eindhoven in den Niederlanden strahlt übers
ganze Gesicht. Während seines zwanzigsten Oberstdorf-Urlaubs
erlebt der pensionierte Betriebswirt heute eine Premiere.
Er steht zum ersten mal im Winter auf einem Gipfel.
Lousberg ist fasziniert von der grandiosen Aussicht
auf die verschneiten Allgäuer Berge. Selbst der
Säntis scheint heute zum Greifen nah, so klar ist
die Sicht an diesem sonnig kalten Wintertag. Und unvergleichlich
ist die Ruhe auf dem verschneiten Gipfel Rangiswanger
Horns..
Hubert Lousberg und seine Frau Hermine sind mit Schneeschuhen
hier heraufgewandert, zusammen mit weiteren Teilnehmern
einer geführten Tour der Oberstdorfer Bergschule
"OASE alpin". Vom Gipfel des Bolsterlanger
Horns (1586 m) vorbei am Weiherkopf übers Rangiswanger
(1616m) und Sigiswanger Horn (1527m) zum Ofterschwanger
Horn.
Schon kurz nach dem Ausstieg an der Gipfelstation der
Hörnerbahn und eine kurzen Einweisung durch Bergführer
Thomas Dempfle in den wichtigsten "Schneeschuh-Basics"
geht`s raus aus dem Pistentrubel in die einsame Stille
des frisch verschneiten Bergwaldes. Bald hören
wir nur noch das Knarzen unserer Schuhe in den Kunststoffbindungen
und das leise Knirschen des Schnees. Die Geh-Technik
erweist sich als denkbar einfach. Während sich
noch die Jäger und Holzarbeiter unter unseren Vorfahren
mit Schneeschuhen in Korbgeflecht mit Tierdärmen
und Leder abplagen mussten, bewegen wir uns auf den
amerikanischen Marktführern, Hightech-Tretern der
Marke Tubbs. Der Name steht für einen hochwertigem,
federleichten Easton-Aluminium-Rahmen, etwa 20 mal 60
Zentimeter groß, mit Neopren überzogen und
einer Kunststoff Schuh-Bänderung, die für
jeden Trekkingschuh geeignet ist. Nur am Fußballen
ist man mit dem Schneeschuh verbunden, die Ferse bleibt
frei. Eine schwingende Bindungsachse sorgt für
optimalen Gehkomfort. Unsere Riesenfüße tragen
uns erstaunlich gut über den metertiefen Pulverschnee,
der selbst für Tourengeher heute eine Herausforderung
darstellen würde. Für die konditionsschwachen
Teilnehmer legt Dempfle eine Spur an.
Uns so watscheln wir breitbeinig und dennoch leichtfüßig
dahin, durch tiefverschneite Bergwälder, in die
noch kein Mensch vorgedrungen zu sein scheint. Lediglich
der eine oder andere Skitourengeher kreuzt unseren Weg.
Respektvoll meiden wir dessen mit sehr viel mehr Kraftaufwand
angelegte Aufstiegsspur.
"Show-Trekking" ist wie so viele Trendsportarten
aus Amerika zu uns herübergeschwappt. Auch jüngere
Menschen, die nach der neuesten Bilanz des Deutschen
Alpenvereins zunehmend wieder das genussvolle Wandern
den Adrenalinschüben alpiner Risikosportarten vorziehen,
finden Spass daran, berichtet Dempfle. Und wer einfach
entspannen und ohne Leistungszwang genießen möchte,
der ist auf Schneeschuhen goldrichtig unterwegs. Es
ist die leise und leichte Art der Fortbewegung , das
langsame Tempo und die meditative Stille der verschneiten
Winterlandschaft , die den hohen "Wellness-Effekt"
des Schneeschuhwanderns ausmacht.
"Schon nach kurzer Zeit war ich ganz entspannt
und begann meine Gedanken neu zu sortieren", berichtet
etwa der Teilnehmer Michael aus Esslingen, im richtigen
Leben stressgeplagter Journalist und Marathonläufer.
Mir geht es ähnlich. Im Gegensatz anderen Spielarten
des Bergsteigens muss ich mich heute nicht auf irgendwelche
Bewegungsabläufe konzentrieren. Denn gehen kann
ich ohne meinen Kopf. Das sit mir sozusagen angeboren.
Als leidenschaftliche und langjährige Skitourengeherin
erlebe ich mich heute deshalb neu: Gehen, Sehen, Lauschen
... ein entspanntes Gespräch mit dem Nachbarn....
dann wieder versinken in die eigenen Gedanken , wie
die Schneeschuhe im weichen Schnee versinken.
Nur beim ersten Abstieg - vor uns liegt ein wunderbarer,
jungfräulicher Pulverhang - würden die Skifahrer
unter uns gern das Sportgerät tauschen. Das breitbeinige
Hinunterstapfen erscheint uns jetzt höchst unbefriedigend.
Für die, die wenig Erfahrung im verschneiten Gebirge
haben indes, ist dies eine Herausforderung. Die ersten
Purzelbäume und Absitzer sorgen für Lacher
auf allen Seiten und bauen die letzten Berührungsängste
mit dem weißen Pulver ab. Vor allem im Wald erfahren
wir die Vorteile unserer "Tubbs", die ursprünglich
für Jäger und Holzarbeiter gemacht wurden
. Wendig und geschickt manövrieren wir uns durch
Lichtungen und Dickicht, umgehen Bäumstümpfe
und überwinden Abbrüche und kommen mühelos
eigentlich überall hin, wo wir wollen. Die an den
Schneeschuhen integrierte Harschkrallen gibt uns an
aperen und eisigen Stellen Halt und Sicherheit.
Thomas Dempfle, jahrelang als Bergführer und Skilehrer
in Kanada tätig , hat dort das Schneeschuhwandern
kennen- und schätzen gelernt. Als eine der ersten
Bergschulen im Oberallgäu hatte "OASE alpin"
Schneeschuhtouren im Programm. Aber auch die anderen
Bergschulen bieten Ein- oder Mehrtagestouren an.
Gerade im alpinen Gelände, so warnt Dempfle, komme
automatisch Lawinengefahr ins Spiel. Ein Grundwissen
in Lawinenkunde sowie in der Verschüttetensuche
sei hier angebracht. Natürlich gehöre hierzu
auch die entsprechende Ausrüstung mit Verschüttetensuchgerät
, Schaufel und Sonde dazu. Bei geführten Touren
wird dies meist von den jeweiligen Bergschulen gestellt.
Wichtiges in Kürze:
- Schneeschuhwandern ist genussvoll im bis zu 25 Grad
steilen Gelände Die Querung steilerer Hänge
wird schwierig und bezüglich der Schneebrettgefahr
kritisch.
- Schneeschuhwandern stärkt Herz und Kreislauf,
schont die Gelenke, trainiert Hüft- und Oberschenkelmuskulatur
und verbraucht 500 bis 770 Kalorien pro Stunde ( abhängig
vom Gelände und Körpergewicht)
- Nach einer vergleichenden Untersuchung von Snowbordern,
Skifahrern und Skitourengehern ist die punktuelle Belastung
der Schneedecke mit Schneeschuhen größer
als mit z.B. Tourenskiern. Das heißt, die Möglichkeit
, ein Schneebrett auszulösen, ist höher. Touren
mit professionellen Anbietern bieten im alpinen Gelände
höchstmögliche Sicherheit.
- Schneeschuhe gibt es von verschiedenen Herstellern
in verschiedenen Preisklassen. Grundsätzlich sollte
man darauf achten, dass sie aus bruchfesten Material
bestehen, eine bruchsichere, verstellbare Bindung und
eine integrierte Harschkralle haben. Schneeschuhe kosten,
je nach Qualität zwischen 150 Euro und 250 Euro.
Zahlreiche Sportgeschäfte im Allgäu bieten
Schneeschuhe und das dazugehörige Equipment zum
Verleih an.
Nähere Informationen über geführte Schneeschuhtouren
gibt es bei der Oberstdorfer Bergschule "OASE alpin"
, Tel.08322/7538, Fax 7153, www.oase-alpin.de , und
anderen Bergschulen.
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